Annahmen

Welche Annahmen liegen meinem Denken zugrunde? Das zu wissen ist ganz wesentlich, wenn wir uns auf eine Weise fühlen, wie wir uns nicht fühlen wollen. Warum fühlen sich gleichwohl viele Menschen ihren Gefühlen regelrecht ausgeliefert?

Es beginnt damit, dass sie ihre Gefühle für wahr halten. Das sind sie auch, den man hat sie ja, also sind sie wahr. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn das bedeutet nicht, dass das, worauf sie sich beziehen, gleichermaßen wahr wäre!

Viele gehen davon aus, dass der Auslöser für ihre Gefühle in einer spezifischen Situation zu finden ist. Das ist wahr, jedoch ist auch das nur die halbe Wahrheit. Denn ein Gefühl besteht in Wirklichkeit aus drei Teilen:

  • aus der Situation
  • unseren bewertenden Gedanken über die Situation und
  • dem Gefühl und letztlich dem Handeln

Wie man sich fühlt, hängt also nicht von der Situation oder Ihren Mitmenschen ab, sondern davon, was man über die Situation und die Mitmenschen denkt. Die Situation und die Mitmenschen sind nur der Auslöser, wie wir jedoch denken und in der Folge fühlen, das hängt von der eigenen Wertung ab.

Sagt jemand zu einem anderen, dass er falsch denke, dann kann der sich darüber aufregen – oder er fragt neugierig nach, weshalb der andere das meint. Schon vor etwa 2000 Jahren lehrte uns Epiktet, ein Stoiker: ‚Nicht die Dinge machen uns zu schaffen, sondern die Art und Weise, wie wir diese wahrnehmen.

Aus diesem Grund suchen auch Zen-Praktizierende Gleichmut und Gelassenheit zu entwickeln. Doch das ist nicht per se ‚gut‘, denn es kann auch zu einer LmiA-Haltung führen. Um etwas konstruktiv zu tun und auch um etwas zu ändern, brauche ich mich jedoch nicht aufzuregen. Das macht mich nur blind.

Manchmal hadert man gleichwohl damit, wie sich andere einem selbst gegenüber verhalten. Da hilft nur Verständnis: Weshalb tun Menschen, was sie eben tun oder getan haben? Dabei ist das relativ leicht zu beantworten: Weil sie genau so gedacht haben. Manchmal kommen die Menschen einfach nicht aus ihrem Denk-Film heraus, finden den Aus-Knopf nicht. Weil sie Ihren Denk-Fehler nicht erkennen, sich seiner einfach nicht bewusst sind.

Indem ich also das Tun und das Verhalten des anderen nicht beurteile und nicht bewerte, komme ich aus den negativen Denkschleifen heraus. Denn das, was war, kann ja niemand mehr ändern. Es ist einfach so gewesen. Was ich jedoch ändern kann, ist wie ich heute darüber denke.

Ich muss mir bewusst sein, dass sich negative Gedanken oder Gefühle immer in meinem tatsächlichen Handeln zeigen. Doch genau das will ich nicht, daher schließe ich mit dem Vergangenen ab und gehe meines Weges.