Beziehung

Beziehung ist elementarer als Materie. Das ist ein wissenschaftlicher Fakt, den ich schlechterdings nicht bestreiten kann, auch wenn ich ihn (noch) nicht wirklich verstehe. Doch was bedeutet das für mich und mein Leben?

Einfach ignorieren, weil es sich nicht bemerkbar macht? Schließlich bewege ich mich nicht mit Lichtgeschwindigkeit, sondern im – kosmisch gesehen – langsamer als eine Schnecke. Kann ich das also ignorieren? Sicher nicht!

Ich erlebe es immer wieder, dass etwa Einsteins allgemeine und spezielle Relativitätstheorie stimmt. Natürlich nicht bewusst. Oder absichtlich. Wären Einsteins Formeln jedoch falsch, würde mein Navigationsgerät nach einem Tag einen Fehler von über 30 km produzieren.

Fazit: Jedes Mal, wenn ich mit dem Navi dort ankomme, wo ich auch hinwollte, habe ich Einsteins Spezielle und die Allgemeine Relativitätstheorie unwissentlich getestet. Mittlerweile basiert ja vieles auf quantenphysikalischen Erkenntnissen.

Doch unser Weltbild ist noch immer von der Physik Newtons geprägt. Und, das wissen wir, sie gibt uns nur ein unvollständiges Bild von der Wirklichkeit. Doch der Fortschreibung dieses Weltbildes scheinen wir uns zu widersetzen. Technik ja, Philosophie nein. Nur geht das?

Damit stellt sich mir die Frage, ob ich die Erkenntnisse der Wissenschaft über die Natur ignorieren kann, nur weil ich sie nicht direkt wahrnehme? Ich denke nicht! Also zurück. Was bedeutet es, dass Beziehungen elementar sind?

Ganz einfach, ich muss davon und von nichts anderem ausgehen. Und zwar wirklich immer. Eine ‚Firma‘ beispielsweise gibt es nicht wirklich, es ist nur ein gedankliches Konstrukt. Es gibt nur Menschen, die zusammenarbeiten.

Es macht es leichter darüber zu sprechen, wenn man diese Fiktion annimmt. Doch man darf nicht vergessen, dass es eben keine Wirklichkeit ist; nur ein Begriff, aber nichts real Existierendes.

Und damit steht nicht mehr ‚die‘ Firma oder ‚die‘ Gesellschaft im Mittelpunkt meiner Überlegungen, egal worum es geht, sondern die jeweiligen Mitglieder und ihre Beziehungen zueinander sowie ihre Beziehungen zu dem, was sie denken, sagen und vor allem, was sie tun.

Ignoriere ich jedoch, das eine Firma letztlich eine Fiktion und keine Realität ist, dann komme ich zwangsläufig zu unzutreffenden Schlüssen, denn ich blende das Entscheidende aus: Die Beziehungen der Mitglieder untereinander wie zu ihrer Arbeitssituation.

Und das ist mit sehr, sehr vielen Dingen so. Dabei ist die Lösung einfach. Ich brauche nur (?) immer von Beziehungen auszugehen.

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