Beziehung

Sind wir mit allem verbunden? Dass Elementarteilchen miteinander verschränkt sein können, weist in letzter Konsequenz möglicherweise oder vielleicht sogar wahrscheinlich darauf hin, dass alles miteinander in Beziehung zueinander steht.

Dass die Beobachtung die Verschränkung zweier Teilchen aufhebt, sagt ja nichts darüber aus, was Beobachtung überhaupt ist und was sie darüber hinaus bewirkt. Was ist Beobachtung also überhaupt? Jedenfalls ist es mehr als nur etwas „zu sehen“. „Beobachten“ ist wohl etwas vollkommen Anderes, wohingegen„Sehen“ nur ein sehr oberflächlicher Aspekt ist.

Was in der Quantenphysik unter „Beobachtung“ zu verstehen ist, geht weit über die reine Feststellung von etwas Spezifischem hinaus. Es ist Interaktion. Vielleicht stellte Einstein aus diesem Grund die Frage, ob der Mond überhaupt da wäre, wenn keiner hinschaut. Man kann diesen Satz als spöttische Polemik oder auch als Ausdruck von Ratlosigkeit über die eigenen (!) quantenmechanischen Erkenntnisse verstehen.

Es ist ja eines der faszinierenden Dinge, dass Physiker Dinge feststellen, die sie aber nicht erklären können. Also schauten und schauen sie noch genauer hin, mit der Folge, dass ihre Ergebnisse nicht klarer, sondern immer mystischer erscheinen. Genauso geht es auch uns selbst – wenn wir ehrlich sind. Ein Beispiel:

Wenn unser Hund offensichtlich wusste, wenn meine Frau sich auf dem Weg nach Hause befand und sich schon mal erwartungsvoll vor die Tür legte – lange bevor er sie auch nur hören konnte – dann kann ich das am einfachsten dadurch verstehen, dass eine „Verbindung“ zu ihr bestand.

Als meine Eltern einmal Hilfe brauchten beschloss ich, meinen Hund bei ihnen zu lassen. Ich fuhr also hin (ca. 250km) sagte meinem Hund, dass er da bleiben solle und fuhr wieder. Und er? Blieb einfach, er hatte „verstanden“. Genauso selbstverständlich ging er wieder mit mir mit, als ich ihn wieder abholte.

Es gibt noch ähnliche Situationen, die klar zeigen, dass es eine Verbindung von Lebewesen gibt, die anders nicht zu erklären sind. Wir haben keine Ahnung, was „Verschränkung“ ist, aber es gibt sie. Man darf nur nicht den Fehler machen, sie erklären zu wollen; genauso wie man sich auch davor hüten muss, nicht in Mystizismus abzudriften.

Das ist bei diesem Thema die Herausforderung, realistisch zu bleiben, aber nicht starr. Was bleibt ist die Tatsache, dass wir die Welt nicht in diesen grotesk anmutenden Quantenphänomenen erleben. Schon Schrödinger hat das mit seiner Katze zu widerlegen versucht.

Doch gelungen ist es ihm irgendwie nicht. Wenn man Verschränkung nicht irgendwann ausschließt, kommt man gewaltig ins Trudeln. Was jedoch nur bedeutet – siehe oben – dass wir sie einfach nicht verstehen.

All das fordert eine tiefgreifende Neuorientierung in unserem Verständnis von der Welt und vor allem auch von uns selbst. Was ich erlebe und was die Grundlage davon ausmacht ist sicher nicht allein auf meine Sinne beschränkt.