Determinismus

Gibt es überhaupt Lösungen für persönliche Fragen? Oder nur Erkenntnisse? Probleme sind Phänomene, die in einer determinierten, rein mechanischen Situation auftreten, etwa wenn meine Motorradreifen abgefahren und sofort erneuert werden müssten, ich aber keine passenden bekomme.

Nur bin ich selbst ja keine Maschine wie mein Motorrad. Kann ich also sagen, ich hätte ein ‚Problem‘ damit, mehr als 20 Grad Schräglage zu fahren? Das habe ich nicht, ich kann es nur anfangs nicht. Noch besser wäre jedoch zu sagen, dass es einfach Gründe gibt, es nicht zu tun. Erst wenn ich erkannt habe, dass ich es kann, mache ich es auch.

Das hat nichts mit Übung zu tun. Ich hatte das Glück sehr bald nach dem Führerschein mit dem Motorrad in einer Gruppe nach Sardinien zu fahren. Allesamt langjährige Motorradfahrer und ich seit ein paar Tagen mit immerhin 72 PS. Bis dahin fuhr ich mit nur 48 PS durch die Gegend.

Es war die Kombination der erfahrenen Gruppe mit meinem Ehrgeiz, die mich eine ordentliche Schräglage fahren lies. Ich fuhr einfach nach dem Prinzip ‚was ein anderer kann, kann ich auch‘. Und fuhr die Schräglage, weil ich sie konnte. Ich erkannte ganz einfach, dass ich es konnte, weil nichts dagegen stand.

Kein Problem und keine Lösung, ‚nur’ eine Erkenntnis. So ist es mit allen nicht deterministischen ‚Problemen‘. Da gibt es keine Lösung, nur Erkenntnis. Wie sagt doch der Quantenphysiker Josef M. Gassner?

Wir müssen uns schmerzhaft verabschieden von einer ganz konkreten Anschaulichkeit, dass sich zu einer bestimmten Zeit ein Teilchen an einem bestimmten, klar lokalisierten Ort befindet.“ Eine Aussage, die sich nicht nur auf das Phänomen des Welle-Teilchen-Dualismus bezieht, sondern auch weit darüber hinaus.

Das heißt, wir dürfen die Welt nicht deterministisch denken – es sei denn, es handelt sich um etwas Mechanisches. Doch vielfach denke wir so auch über Dinge, die uns selbst betreffen. Da sagt es sich leicht ‚Ich habe eine Problem‘, doch das trifft es selten. Das gilt vielfach auch bei medizinischen ‚Problemen‘, wo es eben keine Lösung gibt, sondern einfach die Erkenntnis fehlt.

Unter Wissenschaftler fragen sich ja schon seit geraumer Zeit, ob nicht Mathematik die Sprache der Natur ist. Was ja nicht wirklich sein kann, denn auch ich bin Natur, habe es aber nicht so mit der Mathematik. Doch warum können wir die Natur ganz klar in der Sprache der Mathematik ausdrücken, aber nur sehr schwer in unserer normalen Sprache?

Dabei ist nicht die Sprache die Schwierigkeit, sondern die Art, wie wir unsere Sprache verwenden. Denken wir deterministisch, verwenden wir die Sprache anders. So ist es auch, wenn wir prozesshaft denken. Gleiche Sprache, aber unterschiedliche Denkweisen, die wir damit ausdrücken können. Also brauche ich nur aufzuhören, determiniert zu denken.

Keine Problemlösung, nur Erkenntnis.