Ehrlichkeit

Einfach den Dingen auf den Grund gehen. Klingt absolut richtig. Doch es scheint wohl oft einfacher zu sein, auch die eigenen wie fremde Handlungen – wenn uns die Personen nahe stehen oder ich mich mit ihnen irgendwie verbunden fühlen – zu verteidigen, als ihnen ehrlich auf den Grund zu gehen.

Wir greifen eher an oder stellen uns lieber tot, als dass wir etwas Unangenehmes zugeben. Etwas zuzugeben erfordert offensichtlich Mut, den wir scheinbar nicht immer oder auch nicht mehr haben.

Ehrlich zu sein ist tatsächlich eine Frage des Mutes – genügend Mut, um mich dem zu stellen, was mir Angst macht. Wir wissen, dass wir alle immer wieder Fehler machen, doch warum geben wir sie nicht einfach zu? Dies geht in einer Nebelwand von Täuschungen verloren, die benutzt wird, um Unehrlichkeit zu rechtfertigen.

Wann immer wir meinen (wohlgemerkt nicht bewusst!), einen guten Grund zur Unehrlichkeit zu haben – Elend, Verzweiflung, Depressionen, Unwissenheit, ungerechte Behandlung usw., liefern wir uns lediglich noch mehr Beweise, die unsere Angst vor dem, was wir zu vermeiden suchen, nähren.

Doch weshalb diese Angst? Weil wir uns dann unzulänglich fühlen? Das ist wohl so, doch wo kommt dieses Gefühl her, was ist sein Ursprung? Ich meine, es hört in dem Moment auf, in dem ich aufhöre, mich selbst meistbietend zu vermarkten.

Weil ich mir aber nicht so ohne weiteres eingestehen will – wie wir wohl alle – , dass ich mich selbst hinter einer Maske zu verbergen suche, habe ich diese Angst vor der Ehrlichkeit. Meine Ehrlichkeit demaskiert mich – erst einmal.

Das ist in meiner Überzeugung der wirkliche Ursprung dieser Angst. Und die will ich loswerden. Daher werde ich in Zukunft ehrlich sein – mir selbst gegenüber!