Erfahrungen

Immer der Ärger mit Erfahrungen. Ein wunderbares Thema, um sich mit anderen zu streiten ist, sich darüber zu unterhalten. Will ich diesen Ärger vermeiden oder bei mir selbst auflösen, dann sollte ich lernen, zwischen den Erfahrungen zu unterscheiden, die ich tatsächlich machen kann und denen, die ich mir nur einbilde.

Spreche ich nämlich von Erfahrungen, dann muss ich mir erst einmal darüber klar sein, worum es letztlich geht. Geht es um etwas, was mir ein anderer logisch erklären kann, dann ist das keine Erfahrung, sondern Dummheit, wenn ich es trotzdem tue.

Etwa, wenn man mir erklärt, dass eine Herdplatte heiß ist und ich dies auch nachvollziehen kann – und ich trotzdem hinlange. Eine Erfahrung ist es demnach nur, wenn ich a) das noch nie erlebt habe und b) man es mir nicht erklären kann, vielleicht auch, wenn ich es c) noch nicht verstehen kann.

Spreche ich hingegen über Erfahrungen, die ich mit anderen Menschen gemacht haben will, dann ist das vollkommener Bullshit. Dazu ein Text von Jiddu Krishnamurti. Der erklärt das besser, als ich es könnte:

Was der menschliche Geist hervorbringt, beruht auf Erfahrung, Tradition, Erinnerung. Kann der Geist aufhören abzuspeichern, auch wenn er Erfahrungen macht? Verstehen Sie den Unterschied?

Es geht nicht um die Schulung des Gedächtnisses, sondern darum, vom ansammelnden Vorgehen des Geistes frei zu sein.

Sie verletzen mich, und das ist eine Erfahrung. Ich speichere diese Verletzung ab, und das wird dann zu meiner Tradition. Und aus diesem geistigen Hintergrund betrachte ich Sie und reagiere.

Das sind die Vorgänge, die sich täglich in meinem und Ihrem Geist abspielen. Ist es nun möglich, dass der Vorgang des Ansammelns nicht stattfindet, obwohl Sie mich verletzt haben? Diese beiden Vorgänge sind völlig verschieden.

Wenn Sie in schroffem Ton mit mir reden, verletzt mich das, aber wenn dieser Verletzung keine Bedeutung beigemessen wird, wird sie nicht zum geistigen Hintergrund meines Handelns.

Auf diese Weise ist es mir möglich, Ihnen ganz neu und unbelastet zu begegnen. Denn dann ist der Geist nicht konditioniert, – obwohl ich die konditionierenden Auswirkungen meiner Erfahrungen wahrnehmen kann.