Erkenntnis

Selten hinterfragen wir das eigene Erkenntnissystem. Dabei ist das von essentieller Bedeutung. Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, was beispielsweise ein Stift ist. Sind Stifte nun relativ oder doch absolut? Gibt es „den“ universellen Stift, den Ur-Stift sozusagen?

Wir behandeln viele Dinge als real, was durchaus praktisch ist. Nur muss uns dabei bewusst sein, ob sie wirklich absolut real sind – oder wir sie nur so behandeln, weil das eben praktisch ist. Schließlich wäre es unsinnig zu behaupten, dass es keinen Stift gibt. Aber gibt es den Stift an sich?

Aktuell kann man das sehr gut an der Diskussion um das Covid-19-Virus erkennen. Dieses Virus ist prozesshaft wie relativ. Doch viele behandeln die Situation, als wäre sie absolut real, was genauso unzutreffend ist wie es zu leugnen. Nur wenige sehen die Prozesshaftigkeit – und damit die Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann und was von Bedeutung ist.

Es geht um den immer wieder zu beobachtenden Konflikt zwischen Nominalismus (oder Relativismus) und Realismus. Bei dem Stift ist leicht zu sehen, dass man sich der phänomenalen Existenz des Stiftes sehr wohl bewusst sein kann, auch wenn es den einen Stift „an sich“ nicht gibt, der absolut unterscheidbar von anderen Stiften wäre.

Viele scheuen einen metaphysischen Relativismus, denn der wäre grundsätzlicher als ein metaphysischer Realismus, übersteigt er doch unsere erlebbare Wirklichkeit und subjektiven Erfahrungen. Dabei ist das die Wirklichkeit, wie wir sie aus der Quantenphysik kennen. Andererseits scheint die Ununterscheidbarkeit beispielsweise von Elektronen ein Grundprinzip der Quantenphysik zu sein. Also doch Realismus?

In der Philosophie hielt man es von alters her für ausgeschlossen, dass es zu einem Ding zusätzlich Kopien geben könne, die sich in buchstäblich nichts von dem Ding unterscheiden lassen. Doch nachdem an den Elektronen genau dieses Phänomen festgestellt wurde, ist dieser Satz und sein Beweis heftig umstritten.

Ohne das Prinzip der Ununterscheidbarkeit gäbe es unsere Welt wahrscheinlich nicht – und Sie oder mich auch nicht. Kann ich es dann in meinen Überlegungen über mich selbst oder die Welt ausschließen? Wohl kaum. Also muss ich mich fragen, was die universellen Merkmale der Welt sind. Fraktale etwa würde ich dazu zählen. Ich halte Prinzipien für grundlegend, nicht irgendwelche Dinge – wie etwa Materie.

Nur wie kann ich erkennen, was wirklich ist? Es gibt wohl zwei zentrale erkenntnistheoretische Systeme. Das einen geht davon aus, dass eine Erkenntnis valide ist, wenn sie durch die Beziehung zu einem wirklich existierenden Phänomen bestimmt ist. Das andere System hingegen lehnt jede absolute Realität ab.

Die Frage ist also, wie ich ohne einen äußeren, unabhängigen und existierenden Referenten gültige von ungültiger Erkenntnis unterscheiden kann? Und wenn es diesen nicht gibt, können dann nicht viele Menschen einem identischen Irrtum erliegen und einander in ihrer (unzutreffenden) Ansicht bestärken?

Wenn ich die Erkenntnistheorie, mit der ich den Dingen auf den Grund zu gehen suche, nicht in einer wirklich existierenden Welt verankern kann, dann bleibt mir nur eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen Subjekt und Objekt anzunehmen, verbunden mit einigen wenigen Prinzipien, wie etwa dem Prinzip des fraktalen Gestaltunsgaufbaus.

Jedenfalls wird Realität nicht dadurch definiert, dass viele dieser Ansicht sind. Man muss da sehr genau unterscheiden, worüber man spricht: Über Werturteile oder reflektierte Wirklichkeit? Nur wenn ich die Wirklichkeit klar erkannt habe , kann ich darauf mein Wertesystem aufbauen.

Nicht so einfach, da nicht die Basis zu verlieren, von der aus ich meine Logik aufbaue. Genau der Grund, weshalb für mich die Erkenntnisse der Quantenphysik immer die Grundlage von weiteren Überlegungen ist. Ohne das geht für mich nichts.