Ethik

Geht es um Ethik oder um Methodik? Auf FB finden sich eine Menge Urteile über andere Menschen, die man woanders nicht findet, weil dort eher geschwiegen wird. Insofern ist mir FB wesentlich lieber, denn es ist einfach ehrlicher.

Ich frage mich oft, wie ich einem anderen begegnen kann, wenn ich seine Meinung unzutreffend finde, jedoch etwas dazu sagen möchte, jedoch ohne ihn oder sie abzuwerten.

Das ist in erster Linie keine ‚sachliche‘ Frage, sondern eine ethische. Nur wen ich wirklich die ethische Frage für mich geklärt habe, kann ich mich auf die sachliche Frage einlassen – die sich dann meist erübrigt hat, weil ich intuitiv weiß, was zu tun ist.

Was mich zu einer ganz anderen Fragestellung bringt, nämlich der Frage, ob es in der Regel nur eine Frage der Ethik und eben keine methodische Frage ist, wie ich mich anderen gegenüber verhalte. Das würde bedeuten, dass alles, was ich methodisch gelernt habe, nur ‚aufgesetzt‘ ist, so lange ich nicht die entsprechende ethische Haltung habe.

Ich habe Mediation gelernt genauso wie NLP, Systemlehre, TA oder gewaltfreie Kommunikation, doch nie wurde dabei über die ethische Haltung gesprochen. Es ist also Zeit, mich mit ‚meiner‘ ethischen Haltung zu beschäftigen.

Die aber kann ich mir nicht wie ein paar neue Schuhe im Laden aussuchen. Die Frage ist dabei auch, ob sich die eigentlich richtige ethische Haltung für mich überhaupt ‚richtig’ anfühlt. Schließlich beurteile ich das ja aus meinem unbewussten heutigen Empfinden – und nicht aus meinem Wissen.

Ich muss also mein Empfinden dem anpassen, was ich für richtig halte. Und da fängt das Dilemma an. Es geht ja nicht darum, was ich für richtig halte, sondern was objektiv stimmig ist. Das ist etwas anderes.

Niemand kann sagen, dieses oder jenes sei ‚richtig‘. So ist es etwa falsch zu behaupten, dass die Zeit vollkommen gleichmäßig ist und ein Meter exakt dem Urmeter entspricht. Das stimmt nur, wenn ich mich in Ruhe befinde. Aus kosmischer Sicht tue ich das immer. Könnte ich mich ausreichend schnell bewegen, wären Zeit und Raum mit einem Mal sehr flexibel.

Daher spreche ich, will ich mich korrekt ausdrücken, auch nicht über ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, sondern über ‚stimmig‘ und ‚unstimmig‘. Welches gedankliche Konzept bietet nach aktuellem Wissenschaftsstand eine stimmige Erklärung für die Phänomene des Lebens?

Darauf muss ich meine Überlegungen zur Ethik aufbauen – und nicht auf Religionen oder Philosophien, die die Wissenschaft außer acht lassen.