Ethik

Richtig und falsch – Kriterien, nach denen ich mich scheinbar richte. Darüber kann ich diskutieren und auch eine Meinung dazu habe, doch ob ich im Ernstfall auch entsprechend handeln werde, ist eine ganz andere Frage.

Dazu kommt dann die Moral, also das gesellschaftliche Verhältnis von „richtig“ und „falsch“, an das ich mich schon eher halte, schließlich will ich ja meinen Platz in der Gesellschaft nicht gefährden. Das ist der Respekt, den die Gesellschaft von mir einfordert. Was jedoch nicht bedeutet, dass sie mich respektieren würde. Aber das ist was anderes.

„Über“ der Moral steht dann meine Ethik. Je weniger Zeit ich habe mir zu überlegen, was ich tun werde, desto mehr kommt sie zum Tragen. Und ich kann sie nicht so einfach kontrollieren. „Meine“ ethischen Maßstäbe sind mir kaum bewusst, allenfalls ansatzweise. Ethik kommt auch nur dann zum Tragen, wenn ich sie implizit geworden ist, wenn ich sie verinnerlicht habe.

Was jedoch nicht bedeutet, dass meine Ethik per se „gut“ wäre. Es ist nur für mich stimmig, mich entsprechend zu verhalten. Das kann ein anderer durchaus für moralisch verwerflich oder für falsch halten.

Richtig und falsch sind letztlich aufgesetzte, intellektuelle Überlegungen. Moral ist das, was die Gesellschaft (oder der Teil, dem ich mich zugehörig fühle) von ihren Mitglieder erwartet und dem ich bereit bin zu folgen – warum auch immer.

Es bedeutet also keineswegs, dass es mir entspricht, auch wenn ich es sogar glaube. Darin liegt die Aufforderung, nicht meiner Ethik bewusst zu werden, denn das ist ein extrem langwieriger Prozess, sondern meine Ethik (erst einmal) bewusst zu gestalten um mich dann in der Folge konsequent daran zu halten und sie so zu verinnerlichen.

„Meine“ Ethik ist also weder „richtig“ noch „falsch“, sondern das, was mir entspricht, was für mich stimmig ist. Mit anderen Worten: „So bin ich!“ Und manchmal möchte man noch das Wort „ … eben“ anfügen, womit wir den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit thematisieren, jedoch ohne ihn zu lösen.

„Ethik“ ist ein schwieriges Feld. Es verlangt von mir die intensive Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.