Freiheit

Worin liegt eigentlich ‚meine‘ Freiheit? Sicher nicht darin, dass ich machen könnte, was ich will. Obwohl, so ganz abwegig ist das nicht. Grundsätzlich kann ich das, nur muss ich auch bereit sein, mit den Konsequenzen zu leben.

Die Frage nach ‚Freiheit‘ beantwortet sich mit der Antwort auf die Frage, ob es Objektivität überhaupt geben kann. Wenn unsere Wahrnehmungen stark durch unsere Vorerfahrungen, Weltbilder, Erwartungen und Ziele strukturiert sind – wofür die Quantenphysik unbestreitbare Belege vorgelegt hat, dann kann ich allenfalls von innenpersoneller oder untersubjektiver Objektivität sprechen. Objektivität gibt es also in einem absoluten Sinn nicht, allenfalls ein Kommitment über das, was wir wahrgenommen haben.

Doch das bedeutet nicht, dass wir geistig haltlos durch das All treiben würden, denn fraglos haben wir sowohl individuell als auch kollektiv eine gewisse Stabilität unserer inneren Bilder. Das dürfen wir nicht übersehen, denn wir können nie behaupten, dass die Dinge, die wir wahrnehmen, auch definitiv genau so sind und nicht anders. Was uns andererseits nicht zu Spekulationen hinreißen darf.

Ich plädiere daher immer für das Überprüf- und Reproduzierbare. Was ich wiederholen kann, davon gehe ich aus, auch wenn ich später feststellen kann (oder auch muss), dass das noch nicht die ganze Wahrheit war. Vielleicht erklärt das mein Interesse an der Quantenphysik. Es ist ja eine Ironie des Schicksals, dass uns die als sicher geltenden Wissenschaften – was sie ja auch sind – unsere bisher angenommene, vermeintliche Sicherheit untergraben.

Aber wenn ich mir die Zen-Menschen ansehe, deren Einsichten in die Wirklichkeit ja in vielen Dingen denen der Quantenphysiker entsprechen, dann erlebe ich keine verunsicherten Menschen – ganz im Gegenteil. Man braucht sich nur vor radikalem Relativismus zu hüten, denn das bedeutet leicht, in den Nihilismus abzudriften. Die Welt als solche ist sehr real, nur unsere Interpretationen waren es nicht. Wir haben ganz einfach etwas ausgeblendet.

Es fällt mir klar schwer zu glauben, dass der Tisch vor mir denken würde, aber so ist es ganz offensichtlich nun einmal. Für mich löst sich das alte Dilemma, wie der Geist und die Materie kommt, dadurch auf, dass ich mittlerweile denke, dass die Materie aus dem Geist entsteht beziehungsweise der Geist sich als Materie und Energie materialisiert. Oder so. Das bedeutet, dass ich mich in einer individuell formbaren Welt bewege. Nicht absolut, aber immerhin. Voraussetzung ist bei solchen Überlegungen immer auf die Reproduzierbarkeit zu achten. Aber erst einmal darf man sich ein Stück weit hinauslehnen und das Unbekannte.

Darin liegt meine Freiheit – in meinem Denken. Da kann ich auch nachvollziehen, dass einige Physiker von der Vorstellung ausgehen, dass es nicht nur eine Welt, sondern so viele Welten gibt, wie es Bewusstsein gibt. Das bedeutet für mich jedoch nicht, dass es viele Universen gibt, nur eines, aber wir leben jeder in seiner eigenen Welt, so wir eben das Wahrgenommene interpretieren. Also ist das Beste, was ich tun kann, gedanklich-mentale Barrieren abzubauen, die mich gedanklich festlegen und binden.

Da spielen dann auch Prinzipien eine wichtige Rolle. Die Frage ist nämlich, was besser ist Best Practice oder Prinzipien? Eine Best Practice legt mich in meinen Entscheidungen ziemlich fest, Prinzipien aber nicht. Zwar geben mir beide vor, was ich tun werde, wozu ich mich also entscheiden werde. Nur bei der Methode ‚Best Practice‘ bewege ich mich eher wie ein Roboter. Ganz anders bei Prinzipien! Dann, aber nur dann, liegen auch in Unannehmlichkeiten Chancen.

Das allein macht mich in meinen Entscheidungen wirklich frei.

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