Grenzen

Glaube an Grenzen und sie hören Dir! (Zitat aus „Möwe Jonathan“) Die Frage ist, ob das tatsächlich so ist? Auch hier ist die Antwort nicht eindeutig ‚ja‘ oder ‚nein‘; denn beides kann zutreffen. Und auch beides in einer Person, wenn auch nicht gleichzeitig. Was nach einer differenzierten Betrachtung ruft.

Das, was mich letztlich definiert, ist mein Denken. Alles ‚Drumherum‘, also die Situationen, in denen ich mich bewege und die Entscheidungen, die ich treffe, ob bewusst oder nicht (auch eine Haltung ist eine solche!), ist sekundär, niemals primär. Primär ist und bleibt mein Denken, meine Entscheidungen, mein Verhalten und meine Haltung sind nur darauf aufbauende Symptome.

Glaube ich also an eine Grenze, dann halte ich mich auch daran und werde sie unter keinen Umständen verletzen. Das Dumme an dieser Art von Grenzen ist nur, dass sie nicht bewusst sind. Das wären sie nur, wenn ich über diese Grenze schauen könnten und sehen würden, was dahinter alles so möglich wäre.

Wir ‚wissen‘ ja oft, dass wir auf einer runden Kugel durch das All sausen, doch denken (und handeln)  wir nicht eher so, als lebten wir auf einer Scheibe? Auch wenn diese rund ist und durch das All fliegt? Aber wem ist schon die unendliche Weite des Kosmos wirklich bewusst? Sich dessen bewusst zu sein ist ja etwas anderes, als es zu wissen! Wenn es (für uns) keine Scheibe ist, dann hieße das nämlich, dass wir sie (also die Kugel und den Kosmos) wahrnehmen können müssten. Das tun wir aber nicht. Also ich kann das nicht.

Wahrnehmen geht nicht, nur denken und empfinden. Und deswegen ist da normalerweise eine unsichtbare Grenze, auch wenn ich sie kaum als solche empfinde, definiert durch mein Denken. Andererseits weis ich, etwa aus systemischen Aufstellungen, dass wir auch über eine andere Art der Kommunikation verfügen. Diese Art der Kommunikation schert sich einen Dreck um solche Grenzen, sie funktioniert einfach.

Ein Phänomen, dass viele interessiert zur Kenntnis nehmen, sich aber nur sehr eingeschränkt darauf einlassen. In der Regel nur, wenn ein Problem sie regelrecht dazu zwingt. Aus dem einfachen Grund, weil wir dieses Phänomen nicht erklären können – das aber mag unser Sicherheitsbedürfnis absolut nicht. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir etwas machten, was wir nicht erklären können!

Und genau da entstehen scheinbar unüberwindliche Grenzen. Akzeptiere ich diese Grenze, dann kann ich nur bewusst mit einem anderen kommunizieren. Dann gilt, dass ich nicht wissen kann, was der andere denkt, da ich ja nicht über seinen Erfahrungshintergrund verfüge. Das ist die bewusste Ebene.

Akzeptiere ich diese Grenze jedoch nicht und lasse ich mich auf den reinen Raum der Empfindungen ein, ohne das Empfundene verbalisieren zu wollen, dann verschwinden diese Grenzen. Was in unserer geschäftigen Welt zugegebener Maßen extrem schwierig ist, sind wir doch ständig am quasseln.

Ja, es ist nicht so einfach, sie auf den Kosmos einzulassen. Das bedeutet es nämlich. Dazu ist es natürlich erforderlich, dass Sender und Empfänger sich auf diese Art des Informationsaustauschs überhaupt einlassen. Macht es nur einer, ‚funktioniert‘ es nicht. Das bedeutet, dass man mit dem einen auf diese Weise Informationen austauschen kann (kommunizieren ist meines Erachtens nach das falsche Wort), mit dem anderen aber nicht.

Das ist genau der Grund, warum ich soziale Geräusche und Ablenkungen meide, wo ich kann. Das nagt nämlich gewaltig an der inneren Bereitschaft, sich auf dieses nonverbale Welt wirklich einzulassen. Sich permanent von Werbung berieseln zu lassen passt nun einmal nicht in den Kontext systemischer Aufstellungen. Aber dazu später mehr.

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