Horizonterweiterung

Wir müssen ‚anders‘ denken, wollen wir weiter kommen. Mit dem neuen Verständnis der Physik hat sich beispielsweise auch das bisher unerschütterliche Verständnis von Kausalität verschoben. Was bisher galt, nämlich dass ein Ereignis stets entweder die Ursache oder die Wirkung eines anderen ist – so lautet bisher ein ehernes Prinzip der ­Physik – doch auf Quantenebene trifft das nicht immer zu.

Es hängt mal wieder an der Zeit, denn nur wenn es eine vordefinierte globale Zeit gibt, gibt es auch strikte Kausalität. In der Quanten-Kausalität ist das anderes, hier kann A B verursachen und B A. Schwer vorstellbar, aber so ist es. Die Frage aber ist, was das für mich bedeutet.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung ist also kein an der Erfahrung überprüfbarer Gedanke, sondern, wie Heisenberg es nannte, eine reine Denkform, ein ,synthetisches Urteil a priori’. Einstein hat sich mit der damit verbundenen ‚Unbestimmtheit‘ nie anfreunden können, wenngleich sie experimentell immer wieder nachgewiesen wurde.

Vielleicht hat er jedoch erkannt, dass das unmittelbare Auswirkung auf sein eigenes Weltverständnis hat. Denn auch wir Menschen sind ja vor allem das, was die Quantenphysiker untersuchen: Materie. Wenn ich beispielsweise weis, dass Termiten ihre Bauten nur durch quantenphysikalisch erklärbare Prozesse realisieren können oder Vögel mit Hilfe dieser Prozesse ihren Weg in den Süden finden, dann hat dies auch für uns Menschen Bedeutung.

Die Frage ist nur, wo wir solche Prozesse mit unserem durch vermeintlich sicheren Vorstellungen (etwa die oben genannte Kausalität) limitiertes Denken verhindern, etwa die sogenannte Selbstorganisation. Also müssen wir unsere Denken für solche natürlichen Phänomene öffnen und wir müssen das auch philosophisch fassen können, wollen wir nicht in Beliebigkeit abdriften.