Ist Motorradfahren spirituell?

Oder mystisch? Eine zugegebenermaßen eigenwillig scheinende Frage. Spiritualität ist die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit, die der Welt zugrunde liegt.

Der Ausdruck Mystik bezeichnet ‚Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung‘.

Als ich darüber nachdachte, kam mir prompt die Gegenfrage in den Sinn, ob nicht jegliches Tun spirituell und jedes Erleben mystisch ist. Die Antwort ist ein grundsätzliches ‚Ja!‘ – vorausgesetzt, man befindet sich in der entsprechenden gedanklichen Haltung.

Das ist simpler, als man glauben mag: Ich brauche nur die Wirklichkeit nicht mit der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit zu verwechseln. Dass das simpel ist, bedeutet leider nicht, dass es auch leicht zu realisieren wäre. Zumindest ist das ein Anfang. Aber vielleicht genügt es auch, vorausgesetzt, man bleibt konsequent dabei.

Ich brauche mich nur an ein paar Prinzipien zu halten. Nicht beurteilen, nicht urteilen. Dinge als prozesshaft und nicht als determiniert ansehen und vor allem behandeln. Zu verstehen, dass nichts aus sich selbst heraus existiert. Das ‚Ich‘ beerdigen, nur das sprachliche ‚ich‘ darf weiter leben. Der Konvention den Rücken kehren. Reflektiert leben. Wissen zu implizitem Wissen machen.

Zusammengefasst: Bewusst leben. Eben so, wie ich auch Motorrad fahre.

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