Kognitive Dissonanz

Wie kann ich mit kognitiver Dissonanz umgehen? Unter ‚Kognition‘ versteht Wikipedia die von einem verhaltenssteuernden System (also meinem Gehirn) ausgeführte Umgestaltung von Informationen. Wobei ich das etwas anders sehe, ich nehme ja ‚nur‘ Daten auf, zur Information werde sie erst, wenn ich sie mental verarbeitet habe.

Die Frage ist, ob die Information die ursprüngliche Datenlage wiedergibt. Auch eine vermeintliche ‚Information‘ wird erst dann zur Information, wenn ich sie glaube. Oder ich hinterfragen sie und analysiere sie sauber. Wie ein Chirurg. Was oft übersehen wird ist, dass Chirurgen sich bei ihrer Arbeit in einem Flow-Bereich bewegen – vorausgesetzt, sie sind gut.

Womit klar sein muss, dass der Flow-Zustand nicht per se gut ist. Das sieht man an der Mafia oder der Yakuza, genauso wie an den Hells Angels. Die gibt es auch in der ‚guten‘ Variante. Es ist die gelebte Ethik, die den Unterschied macht.

Mich aus dem Sumpf meiner Empfindungen zu lösen beantwortet also noch nicht die Frage, wie ich dann sein werde: Eiskalt oder emphatisch? Eine nüchterne, pragmatische Haltung sagt noch nichts darüber aus, wie ich bin.

Andererseits versandet mein ethischer Anspruch an mich selbst, wenn ich mich nicht aus dem Sumpf meiner Empfindungen gelöst habe. Es ist so lange ein Sumpf, solange ich nicht hinter die Dinge schaue, hinter das Wahrnehmbare. Das gilt für mich wie für alles andere auch.

Da fällt mir sofort Hanna Arendt ein. Mit ihren Analysen und ihrer Ethik ist sie den Dingen auf den Grund gegangen. War sie dabei in einem Flow? Ich denke ja. Wirklichkeit wirklich zu erkennen ist etwas, das mit einem Flow-Erlebnis vergleichbar ist.