Lebenskunst

Was ist eigentlich ‚Lebenskunst‘?

Ich finde, das ist eine wichtige Frage, die man zu beantworten suchen sollte. Oder auch muss. Hier, im sogenannten Westen, leben wir in einer Welt voller Widersprüche. Viele pendeln zwischen Perfektionismus und Konvention hin und her; ein Zustand, der die innere Zerrissenheit vieler Menschen sehr gut erklärt, wie ich finde.

Über dieses Thema bin ich ‚gestolpert‘, als mir wieder einmal das Buch Kaiseki: Die Weisheit der japanischen Küche von Malte Härting über den Weg lief. Darin ist dieses Zitat des japanischen Teemeister Rikyu zu lesen: „Ist es vorhanden, gut; gibt es keins, dann nicht; handeln wir gerade so, wie es ist, dann ist es die wahre Teekunst.

So ist es auch im Leben. Was ist, ist, das kann ich nun einmal nicht ändern. Nur was ich dann tue, das liegt in meiner eigenen Verantwortung. Hinter diesem Gedanken steht nicht nur darum, pragmatisch handeln zu können, sondern auch darum, die natürliche Schönheit der Dinge zu sehen, die man aber erst dann sieht, wenn man alles Unwesentliche weggelassen hat.

Im Westen haben wir über viele Jahrzehnte gelernt, die Welt zu kategorisieren und zu ordnen. Nur dass das irgendwann das eigene Denken lähmt und es von der Welt abkoppelt, wie sie wirklich ist – wie wir sie aber kaum noch zu sehen in der Lage sind. Wir müssen wieder Widersprüche im eigenen Denken zulassen, denn das macht das Denken lebendig.

Auflösen werden sich diese Widersprüche leider erst dann, wenn ich ganz unten angekommen bin und wirklich verstanden habe. Widersprüche erscheinen uns auf dem Weg von einem metaphysischen Materialismus auf dem zur Erkenntnis der Komplexität als Bild der Welt.

Klingt paradox, ist es aber wohl nicht. Sobald wir reden, befinden wir uns in der Vorstellung von Dualismus. Alles, was wir über die Sinne wahrnehmen, ist dual. Doch das bedeutet nicht, dass es auch im Ursprung dual wäre. Das ist der Kern, der Ursprung jeglicher Philosophie.

Viele verwechseln das ‚Jetzt‘ mit dem, was im Jetzt geschieht. Doch das ist es nicht, denn das ist etwas viel Grundsätzlicheres, Grundlegenderes; der Raum, in dem ‚etwas‘ geschieht.

Doch um das erfahren zu können, muss ich lernen, mich auf das Eigentliche zu konzentrieren und auszurichten – wie beim Motorradfahren. Die Kunst ist es, diese innere Haltung auf das ganze Leben zu übertragen und anzuwenden.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Allgemein