Lebensweise

Dinge zu relativieren ist eine der Lieblingsbeschäftigung der Menschen, die in der Konvention leben. So richtig begriffen habe ich das, als ich über die soziale und gesellschaftliche Situation von Ärzten in der Zeit von 33 – 45 las.

Diese Situation war sozusagen das Einfallstor für die nationalsozialistische Ideologie, von der sich viele verführen ließen. Doch kann etwas richtig sein, nur weil es sehr viele tun? Sicher nicht!

Relativierung ist eines der Phänomene menschlichen Verhaltens, das man nicht allein durch Wissen verhindern kann, sondern allein durch eine dem 180° entgegengesetzte Lebensweise – aber kein Grad weniger. Jedes Grad weniger würde wieder ein Schlupfloch für Relativierung bedeuten.

Diese Gedanken finden sich in „Vernichten und Heilen“, dem Buch über den Nürnberger Ärzteprozess. Es beschreibt die Mechanismen, die dafür gesorgt haben, dass Ärzte „eigentlich“ Unmenschliches tun konnten.

  • Dem anderen den Menschen- und Personenstatus aberkennen
  • Beziehungen nur zu Freunden und akzeptierten Personen pflegen
  • Sich von eigenen Schwierigkeiten entlasten, indem man die Verantwortung dafür bei anderen sieht
  • Rationalisieren, wo es emotional schwierig wird
  • Einen Auftrag grundsätzlich ablehnen, aber pragmatisch annehmen (Etwa: Sonst macht es ein anderer)
  • Ethik-Ersatz – Ich habe immer nur das Beste gewollt

Es sind allesamt Relativierungsmethoden. Und denen entkommt man nur durch eine entsprechende Lebensweise, die wiederum auf einer stimmigen Lebenshaltung basiert.