Leerer Cache

Jeden Morgen beim Starten leere ich den Cache meines PC. Das hat mich auf einen interessanten Gedanken gebracht.

Mein PC ist ja nicht mehr der Jüngste und scheinbar fällt es ihm schwer, mit den neuen Programmversionen klarzukommen. Die Folge war, dass er immer wieder hängen blieb und manchmal ewig brauchte, bis er endlich herunterfuhr, wenn ich ihn abends ausschaltete. Damit er dann wieder ’normal’ startete, löschte ich dann den Cache.

Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, das jeden Morgen beim Starten zu machen. Trainiert einerseits die Gelenkigkeit meiner Finger und kosten kaum Zeit, vielleicht 2 -3 Sekunden, kaum mehr. Diese Zeitinvestition bekomme ich aber als ein Vielfaches zurück, denn seither läuft mein PC problemfrei und er fährt in sehr kurzer Zeit herunter.

Ganz offensichtlich ist, dass sich die morgendliche Investition an Zeit fürstlich auszahlt. Und exakt das brachte mich auf einen Gedanken. Ich beschäftige mich ja schon seit einiger Zeit, wie ich mich am effektivsten aus Konditionierungen, Denkmodellen und Verhaltensmustern lösen kann, vor allem, sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

Die Überlegung ist also: Warum leere ich nicht wie bei meinem PC jeden Morgen erst einmal meinen geistigen Cache? Zum Beispiel hatte ich in den letzten Tagen einen ordentlichen Schnupfen und Husten. Mal wieder. Da er gerade am abklingen ist dachte ich darüber nach, wie das früher immer war und hoffte, dass ich nicht wie so oft in die Verlängerung gehe.

Meine Frage: Was ist das anderes als ein konditioniertes Verhaltensmuster? Genau darum geht es doch! Also: Ändern! Doch es ist unmöglich, das alte Muster einfach zu vergessen. Mein PC vergisst ja auch nicht einfach alles, wenn ich den Cache lösche, sondern er startet seine Programme einfach nur unbelastet von dem, was vorher war.

Er ‚denkt‘ ganz einfach immer neu mit seinen Programmen, also mit seiner Wahrnehmung und seinem Wissen. Da ich seinen Cache ja geleert habe, muss er sich immer erst einmal die Mühe machen und neu denken, sich also nur auf das zu verlassen, was er jetzt wahrnimmt – und nicht auch auf dem aufzubauen, was gestern war.

Und so könnte ich das doch auch machen. Bewusst wahrnehmen, was ist, dann mit meinem implizitem Wissen organisieren, natürlich durch NichtDenken. Explizites Wissen ist ja dann nicht da, das ist ja auch auch nur Cache-Wissen. Also nicht nachzudenken, sondern zu warten, bis eine Antwort hochblubbt. Also nicht sofort ‚Bescheid wissen‘ und antworten, sondern die Antwort entstehen lassen – jedoch ohne mich gedanklich einzumischen!

Die Kunst ist – wie bei meinem PC – bereit zu sein, erst einmal Zeit zu investieren, um damit letztlich eine Menge Zeit zu gewinnen für die wesentlichen Dinge im Leben. Und ich muss bereit sein, nicht mit oder durch meinen Intellekt zu reagieren, also nicht bewusst, sondern unbewusst. Eben Denken durch NichtDenken.

Die Kunst ist wohl, das so zu verinnerlichen, dass ich nicht mehr darüber nachdenken muss, sondern es in meiner Haltung integriert habe. Wie sagte doch Yüan-Wu? „Wer über Sein oder Nichtsein nachdenkt, verliert Leib und Leben.“ Wenn man sich die kämpferischen Zeiten vergegenwärtigt, in denen Yüan-Wu gelebt hat, dann versteht man, dass man durch das Nachdenken nicht nur sein Leben verspielt, das sicher, sondern auch seinen Leib verspielen kann.

Obwohl man das noch weiter denken kann, denn heute lassen wir ja kämpfen, zumindest, in dem wir nichts dagegen tun. Also stimmt das mit Leib und Leben auch für uns – wenn wir darüber grübeln und wir nicht einfach darauf achten, dass der Gedanken-Cache leer ist.

Doch was ist mein Gedanken-Cache überhaupt? Ganz einfach, wenn ich Begriffen eine Bedeutung beimesse, die sie aber nicht haben. Denn Begriffe sind hohl, nur Erleben ist wirklich – wenn es nicht konditioniert ist.

Doch es ist natürlich nicht alles. Dazu kommt implizites Wissen. Das macht die Sache rund.

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