Logik

Nicht alles, was mir logisch erscheint, ist es auch. Was leider auch bedeutet, dass mir manches nicht logisch erscheint, was aber doch vollkommen logisch ist. Nur, dass ich diese Logik (noch) nicht nachvollziehen kann. Die Quantenmechanik stellt uns immer wieder vor solche gedanklichen Herausforderungen.

Dass Religion ohne Quantenphysik ein unvollständiges Abbild der Wirklichkeit ist, das hat Tenzin Gyatso gesagt. Das gilt auch für jede philosophische Überlegung. Ich finde sogar, dass Quantenphysik eine exzellente Basis für philosophische wie metaphysische Überlegungen ist, denn sie hat den Vorteil, dass ich mich auf Argumente beziehen kann, die durch Experimente oder praktische Nutzung belegt sind.

Ich darf mich wirklich nicht auf Spekulationen einlassen, denn ich muss die Feststellungen der Quantenphysik nicht nur verstehen, sondern ihnen wirklich auf den Grund gehen und mich fragen, was sie für mein Weltbild und damit für mein Denken bedeuten. So ziemlich jeder hat schon von dem Welle-Teilchen-Dualismus und dem Doppelspalt-Versuch gehört.  Damit ist eine Erkenntnis der Quantenphysik gemeint, wonach den Objekten der Quantenphysik gleichermaßen die Eigenschaften von klassischen Wellen wie die von klassischen Teilchen zugeschrieben werden müssen, obwohl beide Eigenschaften sich gegenseitig auszuschließen scheinen.

Da liegt es dann schnell auf der Hand zu denken, die Protonen verhielten sich mal wie ein Teilchen und mal wie eine Welle. Das entspricht meiner Logik, die auf meinen sinnlichen Erfahrungen aufbaut und sich möglicherweise auch in meiner Sprache wiederfindet, die wahrscheinlich auch auf den sinnlichen Erfahrungen meiner Vorfahren aufbaut. Nur ist das leider nicht korrekt, denn ein Proton wie auch ein Elektron interessiert sich nicht für meine Erfahrungen oder die meiner Vorfahren. Es ist ganz anders, als ich es mir bisher vorstellen konnte.

Mit meinen Sinnen allein kann ich das überhaupt nicht beobachten, ich brauche eine entsprechende Versuchsanordnung dazu. Da ich selbst ja kein Quantenphysiker bin, lese oder höre ich also über ihre Feststellungen und mache mir so meine Gedanken darüber, versuche es zu verstehen. Das mit dem Doppelspalt-Versuch habe ich erst dann verstanden, als ich bereit war, nicht mehr mit meiner gewohnten Logik darüber nachzudenken.

Ich begriff mit der Zeit, dass ich das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten in meinem Denken relativieren muss, denn es gibt Quantenphänomene, die ich mit dieser Logik einfach nicht denken kann. Ich weiß noch, wie wir in der Ausbildung zur systemischen Strukturaufstellung unseren Spaß mit dem Tetralemma hatten. Wir hängten immer noch den Nachsatz ‚ … oder etwas ganz anderes!‘ an. Scheinbar war es so leichter zu ertragen, dass wir die Logik des Tetralemma einfach nicht verstanden. Oder nicht denken konnten. Jedenfalls bei mir war es so.

Wir erlebten in der Ausbildung Dinge, die wir einfach nicht verstanden. Und das war vielleicht der Grund, warum sich manche nicht wirklich aus ihren Familiengeschichten lösen konnten, einfach weil sie die spezifische Logik dahinter nicht verstanden. Die ist nämlich oft ganz anders, als wir Logik üblicherweise denken. Ein Tetralemma kennt sozusagen einen Zustand, den es auch in der Quantenphysik gibt: die Superposition. Doch um den überhaupt denken zu können, muss ich erst einmal meine tradierte Logik aufgeben und gegen die Logik des Tetralemma austauschen.

Da war mir Hui-Neng weit voraus, denn er kapierte das (was man an seinem berühmten Gata sehen kann), obwohl er in unserem Verständnis ungebildet war. Oder vielleicht auch gerade deshalb? Ich akzeptiere mittlerweile, dass ich selbst ja nichts anderes bin als ein riesiger Haufen Materie und nach exakt den selben Regeln funktioniere. Eine Feststellung, die mich nicht einengt, sondern mir ganz im Gegenteil faszinierende Möglichkeiten des Seins eröffnet.