Logik

Kann es unterschiedliche „Logiken“ geben? Wenn ich mich mit anderen Menschen über etwas unterhalte, komme ich ganz schnell an den Punkt, wo das Gespräch in einer Diskussion mündet und meist auch endet. Leider habe ich dann noch nicht gelernt, schlicht meine Klappe zu halten.

Ganz einfach, weil ich oder wir mit dem Diskutieren nicht weiterkommen. In der Diskussion tauschen wir ja nur Standpunkte aus. Doch um den anderen wirklich verstehen zu können wäre es schon notwendig, in einen Dialogmodus zu kommen. Voraussetzung um einen anderen verstehen zu können ist ja sich auf ihn einzulassen, was bedeutet, die eigene Ansicht einmal beiseite zu stellen.

Worüber wir uns selten Gedanken machen ist, was logisches Denken überhaupt ausmacht. Als logisch wird eine Überlegung bezeichnet, die sich streng an bestimmte festgelegte Regeln von Schlussfolgerungen hält. Die klassische Logik bedient sich z. B. als einer Grundregel des „Gesetzes vom Ausschluss des Dritten“: jede Behauptung ist entweder wahr oder falsch. Dabei handelt es sich um eine zweistellige Logik. Die klassische Physik bediente sich dieser Logik als Grundlage der wissenschaftlichen Analyse.

Aber nicht nur die, es ist die Logik, mit der die meisten Menschen arbeiten. Beispielsweise unsere Sprache baut darauf auf. Doch sowohl manche philosophische Gedanken wie auch naturwissenschaftliche Erkenntnis haben uns erfahren lassen, dass es Phänomene gibt, die eben ‚so‘ nicht funktionieren, nicht erklärbar sind. So gehen wir normalerweise ganz selbstverständlich davon aus, dass ein Körper entweder fest oder flüssig ist. Logisch, oder? Nein, nicht logisch, wie gerade nachweisen wurde. Unter bestimmten Umständen kann ein Körper beides gleichermaßen sein.

Können Sie sich das vorstellen? Also ich kann es nicht. Und trotzdem hat es wie alles Existierende Bedeutung in meinem Leben, auch wenn ich diese Bedeutung nicht unmittelbar erkenne. Aber ich kann sie denken. Sie können auch das einfachere Beispiel des Doppelspaltversuchs nehmen, den kennt ja so ziemlich jeder. Nur was es bedeutet, darüber streiten sich noch die Gelehrten. Denn die ‚Entweder-oder-Erklärung‘ ist ja auch nur ein Rückgriff auf die Logik des ausgeschlossenen Dritten.

Liest man einmal über diesen Versuchsaufbau, drängt sich einem regelrecht die Frage auf, wo sich jetzt das Elektron befindet. Doch genau das ist das Problem, denn es gibt in diesem Zustand eben kein lokalisierbares Elektron. Also kann man es auch nicht suchen; sondern wir brauchen eine ganz andere Logik, um dieses Phänomen gedanklich erfassen zu können. Und die brauchen wir dringend, eine andere Logik. Denn es zu wissen bedeutet noch lange nicht, es auch wirklich zu verstehen.

Es ist beispielsweise eines zu wissen, dass der Beobachter das Beobachtete unmittelbar beeinflusst, es also insofern keine reine Objektivität geben kann (nur eben die, dass alles miteinander verwoben ist), das andere jedoch ist, wie ich damit umgehen kann. Das setzt zumindest eine Ahnung darüber voraus, was das in meinem Leben bedeuten könnte. Sie merken vielleicht, ich bin da sehr, sehr vorsichtig. Aber diese Tatsache zu ignorieren, das ist ein ‚no-go‘. Geht gar nicht. Also für mich geht das einfach nicht (mehr).

Nur was mache ich jetzt? Lasse ich mich auf Diskussionen mit einer als unlogisch (!) erkannten, weil vereinfachenden und Tatsachen ausschließenden Logik ein oder halte ich endlich meine Klappe? Das eine ist so blöd wie das andere. Sich auf solche Diskussionen einzulassen ist schlichtweg Unfug. Doch darauf hinzuweisen, dass diese Logik unlogisch ist, das ist – finde ich – eine Notwendigkeit.

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