Meditativ leben

Meditation ist eine mentale Haltung. Es hat im Grunde nichts mit ‚richtig sitzen‘ oder ‚richtig atmen‘ zu tun, das sind Hilfsmittel, um sich in die stimmige Haltung zu bringen. Vor allem ist es keine intellektuelle Angelegenheit. Die bezieht sich auf das korrekte Denken.

In einem meiner letzten Posts zitierte ich Jiddu Krishnamurti, der beschreibt, dass Meditation letztlich der Raum ist, in dem Aufmerksamkeit herrscht, aber keine Bewegung, sondern Stille – im Denken. Wenn ich etwas tue, egal was, sollte ich eben nicht denken, denn das nimmt mir die Aufmerksamkeit für das, was ist. Und das sollte ich ja wissen, will ich angemessen handeln können.

Das bringt mich in den sogenannten Flow-Zustand, wie ihn unter anderem Mihály Csíkszentmihályi beschrieben hat. Dabei ist das wohl das Selbe wie Meditation, denn in dem Augenblick, in dem ich mich über- oder unterfordert fühle, bin ich auch nicht mehr in einer meditativen Haltung. Auch wenn man meint, ganz bei der Sache zu sein und sich in etwas regelrecht versenkt, ist das keine Meditation, denn es fehlt die Achtsamkeit für alles. Da ‚bewege‘ ich mich mental in eine spezifische Richtung, auch wenn ich dabei nicht bewusst denke.

Das ist dann ein Beispiel für die sogenannte ‚Prä-Trans-Verwechslung‘ Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist. Das sagt Jon Kabat-Zinn. Nur darf das eben nicht zu einem rein affektgesteuerten, also einem präpersonalen, sondern sollte zu einem transpersonalem Verhalten führen.

Transpersonales Verhalten oder Transrationalität zeigt sich als Intuition. Das setzt voraus, dass man sich mit dem bereits verfügbaren Wissen beschäftigt hat und das bereits zu implizitem Wissen geworden ist. Man steht sozusagen auf der letzten (Wissens-) Stufe, bereit, den Schritt auf die nächste, bis dahin noch unbekannte Stufe zu machen. Der passiert, wenn sich Intuition ereignet. Ein Quantenphysiker würde es Selbstorganisation nennen. Denn Intuition oder Selbstorganisation können wir nicht ‚wollen‘, sie geschieht, wenn vorher die intellektuellen Voraussetzungen dafür geschaffen wurden und die Situation es erfordert.

Und genau deswegen macht es Sinn, grundsätzlich meditativ zu leben, wie sich intellektuell mit den grundsätzlichen Fragen des Lebens zu beschäftigen. Die Herausforderung dabei ist wahrscheinlich nicht zu beurteilen und nicht zu bewerten, was man sieht; genauso wenig zu tolerieren und hinzunehmen, was man sieht, sondern aktiv zu werden.

Doch ohne Zorn und ohne Eifer. Das habe ich aus der Beschäftigung mit meiner Geschichte gelernt. Wozu sollte ich auch mit dem hadern, was ist oder war? Schließlich kann ich es ja nicht ändern. Doch das bedeutet definitiv nicht, die für mich erforderlichen Konsequenzen daraus nicht zu ziehen. Das wäre ein gewaltiger Fehler. Es geht letztlich darum, Meditation und Denken in Einklang zu bringen.

Wissen was ist und implizit wissen, was zu tun ist. Darum geht es.