Nicht mein Thema!

Sicher nicht? Mit der Aussage sollte man sehr vorsichtig sein. Es ist ein Satz, den man oft hört, wenn man einem anderen etwas erklären möchte, worüber er oder sie sich jedoch noch nie Gedanken gemacht hat.

Wenn ich beispielsweise den Schrank vor mir betrachte, wer von uns beiden ist dann der Aktive? Ich oder der Schrank? Mal ganz abgesehen von der Frage, ob es den Schrank oder auch mich überhaupt gibt. Aber angenommen, es gibt uns, tue ich dann etwas oder doch eher der Schrank?

Ich mache nämlich überhaupt nichts Aktives, ich empfange ja nur die Lichtimpulse, die von dem Schrank ausgehen. Ganz passiv. Wenn, dann ist der Schrank der Aktive, denn der absorbiert Lichtwellen und reflektiert mir einen Teil des Lichtspektrums.

Mal ganz abgesehen davon, was er mit dem darüber- und darunterlegenden Spektrum macht. Und was macht er überhaupt mit dem von ihm absorbierten Lichtspektrum? Das ging mir heute früh durch den Kopf, als ich darüber nachdachte, weshalb es so schwierig sein kann, einem anderen etwas zu erklären, was der sich nicht vorstellen kann. Das mit dem Schrank kann ich mir nämlich nicht vorstellen, doch ganz von der Hand zu weisen ist es nicht.

Ein anderes Beispiel: Als ich Motorrad zu fahren begann, war da zuerst die Idee, Motorrad fahren zu wollen. Ganz klar, erst die Idee, dann die Umsetzung. Und wie war das, als das erste Tier zum Vogel wurde? War da auch erst die Idee, dass es eigentlich toll wäre, wenn man sich fliegend durch die Luft bewegen könnte? Und dass der spätere Vogel erst aufgrund dieser Idee zu fliegen lernte? Eine, zugegebenermaßen, verrückt klingende Erklärung. Aber kann die so einfach von der Hand gewiesen werden?

Natürlich widerspricht das unserer Vorstellung von Evolution, doch ‚Evolution‘ ist ja nur ein gedankliches Modell, eine Annahme, eine Beschreibung, die für sich selbst nur in meinem oder Ihrem Denken existiert, aber keine reale Substanz hat.

Worauf ich hinaus will: Es fällt uns sehr, sehr schwer, über Dinge nachzudenken, die wir uns nicht vorstellen können, für die wir keine inneren Bilder haben. Das ist eine verdammt hohe Mauer. Es sei denn natürlich, man ist Sciencefiction-Fan. Denen fällt das schon leichter. Da ist nur das Problem, dass sie aufpassen müssen, einer möglichen Fiction zu folgen.

Ist man das aber nicht, dann ist es schnell ‚nicht mein Thema‘, dann beschäftigen sich viele lieber nicht damit, statt dass sie bereit wären, ihr wohl geordnetes Weltbild in Unordnung zu bringen. Oder sie sind so mit etwas beschäftigt, dass sie ‚keine Zeit dafür‘ haben. Oder sie sagen ‚das versteh ich nicht‘, nicht, weil sie es nicht verstehen könnten, sondern weil sie ihr gewohntes Weltbild nicht aufzugeben bereit sind – weshalb auch immer.

Wenn wir die Welt jedoch verstehen wollen, dann müssen wir bereit sein, uns auf Überlegungen einzulassen, die wir uns (erst einmal) nicht mehr vorstellen können. Aber wir können sie denken. Wenn wir das hinbekommen, dann wird es mit der Zeit auch wieder mit der Vorstellung, nur dass die Vorstellung eine ganz andere Art von Vorstellung ist.