Offenheit

Nichts ist einfacher als das. Schwierigkeiten macht nur das Gegenteil, das Sich-Verbergen, was nicht damit verwechselt werden darf, etwas über einen anderen zu sagen. Offenheit – oder eben das Gegenteil – betrifft einen immer selbst.

Den Menschen, die ich als Freunde bezeichne, als wirkliche Freunde, die bitte ich immer wieder, offen zu mir zu sein, mir also zu sagen, was sie wahrnehmen, statt mich höflich herumirren oder im Dunklen sitzen zu lassen. Denn genau das passiert, wenn man mir gegenüber nicht offen ist und ich gerade wieder einmal Blödsinn verzapfe. Soll ja gelegentlich vorkommen.

In den nächsten Tagen ist ein virtuelles 50jähriges Abitreffen geplant. Das hat eine Besonderheit, denn ich war in einem Internat. Es ist erstaunlich, was da plötzlich an ‚eigentlich‘ gut verdrängten Erinnerungen wieder hochkamen. Aber nur, weil ich mittlerweile offen geworden bin. Zu mir, wie gesagt.

Wie jeder junge Mensch suchte ich damals meinen Platz in der Gesellschaft beziehungsweise der (Schul-) Gemeinschaft. Nicht zu vergessen, das war ja auch in der Zeit des großen Gehirnumbaus, genannt Pubertät. Im Grunde suchte ich mich selbst zu erkennen, selbst zu finden. Doch – das weiß ich heute – das konnte mir nicht gelingen, da ich nicht wirklich offen war.

Wie hätte ich mich auch selbst finden können, wenn ich gleichzeitig ‚etwas‘ darzustellen suchte? Ein Widerspruch in sich, ein unlösbares Dilemma. Seit ich das begriffen habe, bitte ich andere mir gegenüber offen zu sein – und natürlich auch ehrlich, das versteht sich von selbst.

Das ist der einzige Weg für mich, mich aus der Welt der Konvention verabschieden zu können. Alles andere würde eine Kommunikation bedeuten, die über Verallgemeinerungen abläuft. Die ist zwar höflich, aber eben auch unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.