Planung

Jede Entwicklung braucht eine Form. Ein Plan bezieht sich scheinbar nur auf Inhalte, dem geht jedoch immer zuerst eine Idee der Form voraus, auch, wenn die einem nicht unbedingt bewusst ist.

Will ich mir eine neue Hose oder ein neues Auto kaufen, steht am Beginn meiner Überlegungen die Form. Auch die Frage, ob kurz oder lang und Kombi oder Cabrio, auch das ist eine Frage der Form.

Die Zeichnungen meines Enkels Paul sind für mich nur schwer zu deuten, es fehlt ihnen noch die klare Form. Und wenn er den Elefanten dann später einmal lila ausmahlt, dann ist das eine rein inhaltliche Frage. Aber erst muss er sich über die Form klar werden.

Und auch ein Gemälde von Rembrandt hat zuallererst einmal eine Form. Vielleicht der Grund, warum ich mir mit den Gestaltungen von Joseph Beuys nie klar kam, das liegt wohl an der – für mich – nicht erkennbaren Form. Ich habe einfach seine Idee nicht nachvollziehen, nicht denken können.

Denn eine Form denkt man erst einmal, bevor man sie mit Inhalten füllen kann. Dass man natürlich auch die Inhalte erst einmal denkt, lässt einen normalerweise Form und Inhalt als undifferenziert Eins sehen. Das sind sie auch, doch sie lassen sich von einander differenzieren. Wenn man seine Gedankengänge genau untersucht, dann erkennt man, dass erst die Form und dann der Inhalt da ist. Nur wir reden meist über Inhalte, selten über Formen.

Alles was ich tue, kann ich also in Form und Inhalt differenzieren. Was zugegebenermaßen nicht immer einfach ist. Wenn ich etwa sage, ich gehe spazieren, dann hat das Gehen an sich erst einmal eine Form, die ich vor langer Zeit einmal gelernt habe. Doch gehen zu können ist derart ‚normal‘, dass wir die Form oft gar nicht mehr ‚sehen‘; nur noch das ‚wie‘, aber nicht mehr das ‚was‘.

Jede Form definiert sich erst einmal über eine Grenze, eine Abgrenzung. Dieser Rahmen definiert ‚für mich‘ das Richtige wie das Falsche gleichermaßen. Wie sagt doch Theodor W. Adorno: ‚Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.‘ Die Rigorosität dieses Satzes löst sich wirklich nur schwer ertragen und verstehen. Die Lösung besteht wohl darin, mich eben nicht selbst zu verurteilen und anzuklagen, mich jedoch konsequent für das Richtige zu entscheiden.

Wobei natürlich ‚richtig‘ und ‚falsch‘ wieder ein Problem darstellen, denn was der eine für ‚richtig‘ ansieht, ist für den anderen ‚falsch‘. Und vor allem: definiere ich das Richtige oder Falsche selbst oder tun das andere? Ich für mich akzeptiere fraglos nur das, was ich selbst für mich (!) als richtig erkannt habe. Entscheidend ist für mich, dass ich dabei im Einklang mit der Natur denke, also mein Denken so organisiere, dass es mit der Wirklichkeit kompatibel und im Einklang ist.

Doch was ist Wirklichkeit? Die einzige Basis, von der ich aktuell ausgehe, das ist für mich die Quantenphysik. Denn die funktioniert, und das ganz ohne Interpretation. Eine perfekte und nicht zu widerlegende Beschreibung (nicht Definition!) der Wirklichkeit. Die Schwierigkeit besteht allein darin, sie korrekt auf meine eigene Existenz anzuwenden. Da braucht es dann wieder Interpretation, aber bitte keinen Mystizismus – was manchmal schwer voneinander zu unterscheiden ist.

So suche ich ‚meine‘ Form zu definieren. Das ist das Einzige, was ich tun kann, denn die (also meine) Inhalte entstehen automatisch, über die habe ich im Entstehen absolut keine Kontrolle, so gerne ich es auch hätte. Die Form hingegen kann ich gestalten. Und mit entsprechender Konsequenz halte ich mich auch daran. Und wenn ih mich doch wieder einmal nicht daran gehalten habe, dann rüge ich mich nicht, sondern stelle es fest und fange neu an.