Quintessenz

Was sagt mir die moderne Physik?

Wenn schon Wissenschaftler davon ausgehen, dass wir uns davon frei machen müssen oder sollen, die Welt im Sinne zu Grunde liegender Zustände oder Eigenschaften begreifen zu wollen und wir stattdessen die primäre Wirklichkeit als Handlung, also als Operation denken müssen, dann gilt das wohl erst recht für Lebendiges.

Wir machen einen fatalen Fehler, wenn wir weiter meinen, wir könnten unseren Mitmenschen oder Tieren spezifische Zustände oder Eigenschaften zuschreiben, so wie wir es ganz selbstverständlich bei ‚materiellen’ Dingen tun. Ein wirklich fataler Fehler. Machen wir das bei Lebendigem nicht mehr, dann wäre schon etwas gewonnen. Aber das ist erst einmal nur der Anfang.

Das jedoch bedeutet nicht nur anders zu denken, sondern auch von einer andere Logik auszugehen. Es ist eben unzutreffend, über die Dinge um uns herum im Sinne dauerhafter Eigenschaften zu denken.

Wenn ich jeden Morgen erst einmal mit Schlafanzug und in meiner karierten Jacke am Frühstückstisch erscheine, dann bedeutet das nicht, dass das immer so sein wird, es spricht nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, mehr aber auch nicht.

Und meine Meinungen ändere ich blitzartig, wenn ich von etwas anderem überzeugt bin. Es ist also problematisch zu glauben, man könnte mich ‚sicher’ einschätzen – oder einen anderen. Doch wer ist wirklich bereit, dem anderen stets mit offenen Ohren, Augen und offener Wahrnehmung zu begegnen und gegenüber zu treten?

Das macht noch etwas anderes erforderlich, die Konsequenz nämlich, wirklich ernsthaft miteinander zu reden und nicht nur Konvention zu betreiben. Solange wir den anderen nicht wirklich erfahren lassen, was uns bewegt, dürfen wir uns nicht wundern, wenn derjenige uns weiterhin in einer Schublade steckt, in die wir aber tatsächlich nicht hineingehören.