Realität

Realität ist nichts, was man klar definieren könnte. Es ist nur unsere Vorstellung von Realität, die sie (scheinbar) zu etwas real existierendem macht. Tatsächlich ist Realität wohl nichts anderes als Wahrscheinlichkeit, die sich in dem Augenblick konkretisiert, in dem jemand etwas Spezifisches im Kopf hat.

Wie sagt doch Aber Einstein? „Es scheint, dass die menschliche Vernunft die Formen erst selbstständig konstruieren muss, bevor wir sie in den Dingen nachweisen können.“ Genau so ist es auch. Was ich nicht denken kann, gibt es für mich auch nicht. Es ist möglicherweise meine Begeisterung für Science-Fiction, die es mir immer wieder ermöglicht, Unvorstellbares am Ende doch denken zu können.

Fakt ist: Was ich mir nicht vorstellen kann, existiert nicht für mich. Selbst wenn mir etwas klar und logisch erklärt wird, bedeutet das nicht, dass ich es auch denken könnte. Es existiert nicht für mich. Bin ich nicht bereit, mich wirklich darauf einzulassen, wird das ganz schnell wieder aus meinem Gehirn als uninteressant entfernt.

Als Trump mit seinem Hang zu Fake-News, von denen er ja offensichtlich fest glaubt, dass es so wäre, Präsident der USA wurde, habe ich mich schon gefreut, denn das wäre die Chance gewesen, sich einmal Gedanken über Wahrheit und Wirklichkeit zu machen. Denn eine Wahrheit oder Wirklichkeit wie eine Realität, über die man sprechen könnte, die gibt es nämlich überhaupt nicht.

Sprechen wir über die Welt, dann konstruieren wir gedanklich eine Welt, die es ‚so‘ aber überhaupt nicht gibt. Wenn man das einmal verstanden hat, dann landet man unweigerlich in der Welt des Konstruktivismus, noch besser jedoch, wenn man gleich  in der Welt des Radikalen Konstruktivismus ankommen würde.

Realität ist, genauso wie Wahrheit oder Wirklichkeit, nur ein gedankliches Konstrukt, aber nichts Existierendes. Was nicht bedeutet, dass es die dem zugrundeliegenden Phänomene nicht gäbe. Es ist nur ein naturalistischer Trugschluss, daraus etwas Gegebenes ableiten zu wollen.

Was dann passiert, haben Wissenschaftler unter dem Begriff der Kognitive Dissonanz zusammengefasst. Es ist der mentale Konflikt, der auftritt, wenn Überzeugungen oder Annahmen durch neue Informationen widerlegt werden. Das Unbehagen oder die Spannung, die dieser Konflikt in den Menschen hervorruft, versuchen sie durch eines von mehreren Verteidigungsmanövern zu verringern:

Sie lehnen die neuen Informationen ab, erklären sie weg oder weichen ihnen aus. Sie überzeugen sich selbst davon, dass es keinen Konflikt gibt. Sie versuchen, die Unterschiede zu kompensieren oder sie greifen auf andere defensive Mittel zurück, um die Stabilität oder Ordnung in ihren Vorstellungen von der Welt und von sich selbst zu erhalten.

Und genau deswegen wird ein ‚anderes‘ als das eigene Bild von Realität so oft regelrecht abgelehnt.