Realität = Beziehung

Realität ist letztlich nichts anderes als Beziehung. Gehe ich einmal von dem bis zum 19ten, 20ten Jahrhundert angenommenen, kleinsten Materieteilchen aus, dem Atom, und nehme weiter an, dass das real existieren würde, dann stellt sich mir erst einmal die Frage, was ein Molekül tatsächlich ist.

Ein, sagen wir einmal Wasserstoffmolekül, also H2O, ist genau betrachtet ein System aus einem Sauerstoff- und zwei Wasserstoffatomen. Das Interessante ist, dass die Eigenschaften von H2O eben nicht die Summe der Eigenschaften von einmal Sauerstoff und zweimal Wasserstoff ist, sondern etwas ganz anderes, etwas vollkommen Neues.

Können Sie sich vorstellen, wie es ist, ein angenehm warmes Kilo Wasserdampf auf den Kopf zu bekommen – oder ein Kilo gefrorenes Wasser? Also ich weiß, was mir da lieber wäre. Nicht einmal etwas so Banales wie H2O lässt sich klar definieren, sondern es erscheint je nachdem als Dunst, Wasser, Eis oder irgend etwas dazwischen. Nehmen Sie dann noch die Temperatur hinzu, wird es nochmal anders. Also vollkommen unterschiedlichen Eigenschaften, obwohl es sich doch scheinbar um das Selbe handelt – H2O.

Oder nehmen Sie einmal meine Frau und mich. Also Sie begegnen erst meiner Frau (🧍‍♀️) (schade, da klappt was mit der Darstellung nicht, bitte eine Frau denken!), dann mir (🧍‍♂️), aber jedem für sich. In dem Augenblick aber, in dem wir zusammen (👫) auf der Bildfläche erscheinen, sind wir nicht mehr🧍‍♀️+🧍‍♂️, sondern 👫, ein ganz anderes System mit völlig anderen Eigenschaften. 1+1 ist also nicht 2, sondern XY oder was auch immer.

Ein anderes Beispiel: Es ist falsch zu denken, ‚ich‘ verhalte mich anders, je nachdem ob ich ordentlich oder schlampig angezogen bin. (Dazu eine interessante Dokumentation, die Die Sapeurs von Brazzaville) Nein, nicht ‚ich‘ verhalte mich anders, das System, das auf den Namen ‚Peter‘ reagiert, hat sich verändert – und verhält sich daher anders.

Ob es also um den Zusammenschluss von einem Sauerstoff- und zwei Wasserstoff-Molekülen oder um meine Frau und mich oder um mich selbst geht, es geht immer nur um das jeweilige System, das zu beobachten ist. Und das ist etwas ganz anderes, als nur die Summe der Elemente. Ich selbst bin ja auch ’nur‘ ein System aus einer Unmenge von Atomen, die sich zusammengetan und ein gemeinsames System gebildet haben – und nichts real Existierendes. Also bin (auch) ich nichts anderes als die Beziehung der Atome ‚meines‘ Systems unter- und zueinander.

Sich das klar zu machen ist schon ganz schön herausfordernd. Seit die moderne Physik dahinter gekommen ist, dass es Atome als Ganzes auch nicht gibt, sondern die nur aus oft flüchtigen (!!) Elementarteilchen bestehen und sich ganz komisch verhalten, also irgendetwas ‚Geistiges‘, seither ist klar, dass ganz offensichtlich Beziehung das A und O der Realität ist.

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