Selbsterkenntnis II

Selbsterkenntnis – was ist das überhaupt? Gerade ist mir wieder einmal bewusst geworden, dass „mein“ Selbstverständnis schon lange vor meiner Geburt begann. Ja, sogar lange davor. Eigentlich seit dem Urknall. Aber das ist ein anderes Thema. Hier will ich es auf mein konkretes Leben heute beziehen und nicht zu abstrakt denken.

Dass das, was mein Leben ausmacht, schon lange vor meiner Geburt, ja sogar vor meiner Zeugung begann, das lässt sich heute dank unseres Wissens über Epigenetik wirklich nicht mehr leugnen. Der Instinkt werkelt bei uns genauso wie bei einem Tier, nur eben mit der aktuellen gesellschaftlichen, in selten Fällen auch ‚nur‘ mit der eigenen Kultur als Sahnehäubchen obendrauf.

Gerade habe ich einen witzigen Cartoon gelesen: „Ich lebe in meiner eigenen Welt. Aber das ist ok, man kennt mich dort.“ Aber wenn ich länger darüber nachdenke komme ich schon ein wenig ins Zweifeln. Oder eher ordentlich. Denn kenne ich mich überhaupt wirklich? Ich glaube nämlich nicht.

Gerade habe ich für mich zwei Dinge ‚zusammengetragen‘. Einmal die Tatsache, dass ich demnächst auf den Spuren meines Vaters im Dritten Reich nach Neuengamme fahren werde und andererseits die Tatsache, dass mich die Informationen (?) aus dem Leben meiner Eltern wesentlich mehr ausmachen, als mir lieb sein kann.

Damit stellt sich (scheinbar) die Frage, ob ich mir dessen überhaupt bewusst bin. Aber eben nur scheinbar, denn tatsächlich bin ich mir dessen nicht wirklich bewusst. Außer natürlich, ich beschäftige mich konkret damit und sehe es nicht nur als Thema meiner Eltern an, sondern eben auch als mein eigenes.

Aber das ist eben nicht alles. Ich muss auch die andere Seite wahrnehmen. Wie sagt doch C.G. Jung? „Wer zugleich seinen Schatten und sein Licht wahrnimmt, sieht sich von zwei Seiten, und damit kommt er in die Mitte.“ Im Zen sagt man ja „wenn ein einziges Staubkorn aufgewirbelt wird, dann ist die ganze Welt zur Gänze darin enthalten“.

Ich sage immer, dass der Unterschied zwischen dem Kosmos und mir nur ein Größenunterschied ist. So wie in jeder meiner Zellen der ganze Kerl drinsteckt. Ich muss eben beides sehen, Licht und Schatten.

Jedoch leben sollte ich nur das Licht.

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