Selbstverständnis

Was ist überhaupt mein Verständnis von mir selbst? Und von anderen? Muss ich nicht mich selbst verstehen können, um auch andere verstehen zu können? Wieviel Gemeinsamkeit leben wir überhaupt? Wir treffen uns zwar, doch begegnen wir uns dabei auch? Das und die Frage nach meinem eigenen Selbstverständnis kam mir in den Sinn, als ich diesen Text auf der Seite von Gregory Colbert las:

Indem ich die gemeinsame Sprache und poetische Sensibilität aller Tiere erforsche, arbeite ich daran, die Gemeinsamkeiten wiederzuentdecken, die es einst gab, als die Menschen sich als Teil der Natur und nicht außerhalb von ihr sahen. Das Schicksal der Wale ist untrennbar mit dem Schicksal des Menschen verbunden, und das Schicksal des Menschen ist untrennbar mit dem Schicksal der gesamten Natur verbunden. Ich erforsche neue Erzählungen, die helfen, eine Brücke über die künstlichen Grenzen zu schlagen, die wir zwischen uns und anderen Arten errichtet haben.“

Ist es nicht vielmehr so, dass wir die gemeinsame Sprache erst wieder kennen lernen müssen, die Sprache jenseits der Worte? Ist das nicht genau das zentrale Thema, spreche ich über Selbstverständnis? Anders formuliert: Muss ich nicht erst einmal mich selbst fragen, ob ich überhaupt mich selbst verstehe? Wie kann ich andere coachen oder in Lebenskrisen beraten (was ich lange Zeit getan habe), wenn ich selbst keinen Zugang zu mir selbst habe?

Als Coach oder Berater habe ich doch nur Anpassungsstrategien an eine kranke Gesellschaft verkauft – weil ich sie selbst für richtig gehalten habe. Heute weiß ich, dass das Irrsinn war und ist. Und ist es nicht so, dass nur der gesund sein kann, der nicht an diese Gesellschaft angepasst ist und bestens funktioniert? Sagen nicht viele wie Jiddu Krishnamurti oder Erich Fromm, dass diese Gesellschaft krank ist – und die, die uns psychisch krank erscheinen vielfach einfach nur die sind, die merken, dass etwas nicht stimmt?

Ich selbst bin in meinem Leben immer wieder zwischen den Polen ‚Dazugehören‘ und ‚Nicht-Dazugehören‘ hin und her gependelt. Es ist richtig, dass einerseits diese Gesellschaft falsch beziehungsweise krank ist, ich mich aus genau diesem Grund abgesondert habe, ein Einzelgänger wurde und andererseits, weil ich wie jeder andere ganz selbstverständlich dazugehöre und das naturgemäß auch brauche, um existieren zu können – was für ein grausiger Widerspruch!

Diesen Widerspruch habe ich in meinem Leben gelernt tief zu vergraben und hinter konventionellem Gehabe zu verbergen, um den Grund dafür nicht mehr wahrnehmen zu müssen. Das ist nicht nur meine Gespaltenheit, es ist die Gespaltenheit die uns in der gesamten Gesellschaft begegnet. Die Lösung aber finden wir, das ist meine Überzeugung, nicht auf der Ebene, auf der wir uns aktuell bewegen, sondern auf einer höheren, grundsätzlicheren Ebene.

Die Menschen haben sich – und das nicht erst seit heute – selbst im mechanistischen Denken gefangen. Was ganz natürlich war, denn das war nicht nur die Bedingung für den Fortschritt, sondern für die Mehrheit auch die gedankliche und philosophische Grundlage für Ihr Weltbild und für ihr eigenes Selbstverständnis; was man etwa in der Psychologie wie in gesellschaftlichen Modellen sehen kann bis hin zu Ethik und Moral.

Doch wie komme ich zu einem zutreffenden Selbstverständnis? Die Antwort liegt vielleicht in diesem Satz: Der Intellekt hat immer Recht, doch die Intuition täuscht sich nie. Natürlich nur, wenn es wirklich Intuition ist und keine Einbildung nach dem Motto ‚ich fühle das‘. Der Intellekt denkt, die Intuition jedoch denkt ganz anders, nämlich durch NichtDenken.

Dass das der richtige Weg ist, sagt mir nicht etwa Ch’an (das natürlich auch), sondern die Quantenmechanik. Philosophische Überlegungen kann ich leicht ignorieren, aber technische und praktische Fakten nicht. Vorausgesetzt, ich will mich nicht selbst aufs Kreuz legen.

Ch’an hilft mir, die Erkenntnisse der Quantenmechanik gedanklich und philosophisch zu fassen. Und je besser ich das kann, desto besser geht es meinem Selbstverständnis.

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