Sicherheit

Sicher sein oder mich sicher fühlen? Mit der Frage wurde ich gerade konfrontiert. Wie kann ich beispielsweise sicher sein, meine Eigennatur so klar und unverfälscht schauen zu können, wie ich die Innenfläche meiner Hand erkennen kann? Der Spruch aus dem Ch’an beschäftigt mich ja aktuell genauso.

Will ich also sicher sein, brauche ich scheinbar den Kommentar eines anderen. Auch wenn ich etwas darüber lese, läuft das ja auf dasselbe hinaus. Doch dummerweise können sich auch andere gewaltig irren. Also bleibt mir nur, selbst zu denken, wirklich selbst zu denken und meine eigenen philosophischen Schlüsse zu ziehen.

Wenn ich mir also nicht so ohne weiteres sicher sein kann, wovon ich ausgehen kann, brauche ich etwas, woran ich mich halten kann, was mir ein Gefühl von Sicherheit gibt. Das Einfachste und vielleicht auch Angenehmste ist die emotionale Anerkenntnis eines anderen.

Nur woher weiß ich, ob er nur nett zu mir ist oder ob meine Einschätzung wirklich richtig ist? Was man aber nicht mit grundsätzlicher Akzeptanz verwechseln darf. Nur die merke ich eher nicht, wenn ich auf Bestätigung aus bin, denn Akzeptanz bestätigt mich ja gerade nicht, sondern sie lässt offen, sie ist kommentar- und urteilsfrei.

Die größte Sicherheit gewinne ich im Verstehen, wobei auch das immer wieder eine Herausforderung ist, denn es bedeutet gerade nicht ‚ich habe eine Meinung und damit basta!‘. Es bedeutet viel mehr, den Dingen auf den Grund zu gehen und sie immer wieder zu hinterfragen und mit dem sonstigen Wissen abzugleichen.

Auf jeden Fall bedeutet ‚zu verstehen‘ für mich sicher nicht auf einer Philosophie oder Gedanken aufzubauen, die keine physikalischen und wissenschaftlichen Grundlagen beziehungsweise Entsprechung haben. Das bedeutet jetzt nicht, dass alles materiell sei, ganz im Gegenteil, alles ist Geist. Gerade da ist es schwierig, ‚die Kirche im Dorf zu lassen‘ und nicht zu fabulieren.

Wie aber sagt doch Hannah Arendt? „Ich will verstehen. Das gibt mir eine Befriedigung wie ein Heimatsgefühl.“ Ich denke da wohl ganz ähnlich. Ich fange zunehmend an zu verstehen (!), dass man sich nur selbst trauen kann, was aber keinesfalls bedeutet, den anderen jetzt zu misstrauen.

Es ist ja nicht so, dass man den anderen nicht trauen dürfte. Es geht hier ja nur um die Frage, worauf man sein Verständnis aufbauen soll. Aber zurück. Es ist ja kein Witz, dass ich (oder Sie) mit dem Kosmos identisch sind. Zwar wesentlich kleiner, aber die herrschenden Prinzipien sind nun einmal identisch. Müssen sie ja auch sein.

Wenn das so ist, dann bedeutet das für mich, dass der beste Weg zur Wahrheit die Selbsterkenntnis ist. Suche ich im Außen etwas zu erkennen, habe ich schon ein Problem, denn ich kann ja nichts untersuchen, ohne mit ihm zu interagieren. Was ja auch für ‚tote‘ Materie gilt. Sehr schwer zu verstehen, aber so ist es nun einmal.

Und deswegen strebe ich nach Selbsterkenntnis, suche ich mich selbst zu verstehen.

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