Souveränität

Das ‚brauchen‘ Flow wie Dialog gleichermaßen. Oder Gemeinschaft. Solange ich nicht klar und sicher in meiner Meinung und meinen Ansichten bin, bin ich auch nicht bereit, mich auf einen Dialog einzulassen. Und ich komme auch nicht in einen Flow. Auch Gemeinschaft wird dann nicht klappen. Dann hat mich die Unsicherheit im Griff.

Darauf kam ich heute nach einem Gespräch. Ich reflektierte in einem Gespräch meine Gefühle als Segler, Motorradfahrer und früher als Anwalt. Mein Gesprächspartner hatte noch den Arzt beigesteuert. Alles Tätigkeiten, bei denen man idealerweise in einem Flow ist, wenn es gut werden soll. Ein Flow ist ja nicht vorrangig erstrebenswert, weil es einem dann gut geht, sondern weil man dann das Richtige tut. Und das erfreut dann ungemein.

Das ist das eine, das andere ist das gewollte oder tatsächliche Alleinsein. Interessant ist, je mehr ich ganz bei mir selbst bin und nicht mehr über etwas nachdenke, also in einer meditativen Haltung bin, desto intensiver nehme ich wahr, was um mich herum passiert. Was man bei all diesen Tätigkeiten unbedingt braucht, also Motorradfahren, Segeln oder Arzt oder Jurist sein.

Es sind alles Tätigkeiten, die einen idealerweise in einen Flow bringen können. Nur dann ist man wirklich gut. Aber das ist nicht alles. Außer beim Motorradfahren arbeitet man beim Segeln (in der Regel), als Jurist und als Arzt im Team. Je mehr man sich dabei auf sich selbst verlassen kann, je sicherer man bei dem ist, was man tut, desto mehr und desto besser können sich die anderen Teammitglieder auf einen verlassen. Um in einem Team gut arbeiten zu können, muss ich allein sein können.

Verrückt, aber so ist es. Nur wenn ich gedanklich nicht von den anderen abhängig bin, kann ich mich überhaupt einbringen. Als ich so darüber nachdachte, kam mir in den Sinn, dass das wohl auch bei dem Dialog so ist. Je besser die Beziehung ist, die man zu sich selbst hat, je besser man sich auf sich selbst verlassen kann, je sicherer man ist – mit anderen Worten allein sein kann – desto eher kann man sich auch auf einen Dialog einlassen.

Was auch logisch ist, denn je sicherer ich mir selbst bin, desto eher kann ich mich auch auf die Gedanken eines anderen einlassen. Je unsicherer ich hingegen bin, desto mehr habe ich das Gefühl, ich müsste mich verteidigen. Mindestens bin ich dann in Habachtstellung, damit mir nichts passieren kann. Eine Verteidigungshaltung und gedankliche Offenheit sind nun aber nicht kompatibel.

Eines von beiden bleibt auf der Strecke. Bei der Offenheit ist es leicht, die aufzugeben, bei der Verteidigungshaltung ist es schon schwieriger. Das geht nicht einfach so, das kostet Selbstüberwindung. Diese Haltung kann ich nicht einfach so aufgeben, da brauche ich einen Ersatz, nämlich wirkliche und nicht nur gespielte Souveränität.

Bin ich mir meiner selbst nicht wirklich sicher, lasse ich mich auch nicht auf andere Gedanken ein, denn dann denke ich ja, dass ich mich nicht adäquat damit auseinandersetzen kann. Dann wird ein ‚Dagegenhalten‘ daraus, getreu dem Motto ‚sicher ist sicher‘.