Spekulation

Wo beginnt die Spekulation? Was ist schwer vorstellbar, aber dennoch realistisch? Und was ist definitiv nur Spekulation? Gerade habe ich die Zusammenfassung des Buches „Das elegante Universum“ von Brian Greene folgendes gelesen, wo sich der Übergang zur Spekulation für mein Empfinden sehr deutlich zeigt:

  • Während die Relativitätstheorie die Abläufe im Makrokosmos erfasst, beschreibt die Quantenmechanik subatomare Zustände.
  • Relativitätstheorie und Quantenmechanik führen zu einem Konflikt, weil die Gesetze der Gravitations- kraft auf mikroskopischer Ebene nicht zu gelten scheinen.
  • Nach der Relativitätstheorie sind Raum und Zeit keine festen Zustände, sondern abhängig von der Bewegung von Objekten sowie deren Masse und Energie.
  • Laut den Erkenntnissen der Quantenmechanik sind Teilchen gleichzeitig Wellen und der subatomare Raum ist voller brodelnder Energie.

Ab hier beginnt für mein Gefühl die Spekulation. Jedenfalls kann ich mir das nicht nur nicht vorstellen, ich kann es nicht einmal gedanklich nachvollziehen:

  • Die Stringtheorie postuliert, dass die kleinsten Teilchen des Universums schwingende, eindimensionale Strings oder Fäden sind.
  • Die unendlichen Schwingungen der Strings erzeugen alle Elementarteilchen und damit das gesamte Universum.
  • Ein spezielles Schwingungsmuster eines Strings erzeugt das Graviton, das die Gravitationskraft bewirkt.
  • Die Stringtheorie liefert erstmals eine einheitliche Erklärung unseres Universums, das wiederum Teil eines Multiversums ist.
  • Laut der Stringtheorie existieren zehn Raumdimensionen und eine Zeitdimension.
  • Es gibt sechs verschiedene Ausdrucksformen der Stringtheorie, die sich in einer übergreifenden M-Theorie vereinen.

Ich tue also gut daran das, was für mich gedankliche Spekulation ist, als genau das zu bezeichnen. Andererseits muss ich mich genauso davor hüten etwas nur deshalb als Spekulation zu bezeichnen und zu behandeln, nur weil ich es mir (noch) nicht vorstellen kann. Nehme ich beispielsweise die Filme „Matrix“ oder „Krieg der Sterne“, dann sind die mentalen Fähigkeiten der Protagonisten schwer vorstellbar, wenn ich selbst nicht darüber verfüge und keine entsprechenden Erfahrungen habe.

Lasse ich mich jedoch darauf ein, dass alles ein geistiges Etwas ist, Geist also die letzte Wirklichkeit ist, auf der alles Existierende basiert, dann kann ich unter Umständen genau das bei mir selbst feststellen. Ein Beispiel: Meine Frau kam heute früh und sagte, dass sie sich einen Schnupfen bekommen hat. Und – zack – schon fühlte ich mich ein wenig schnupfig.

Die Frage ist erst einmal, ob meine Frau mich angesteckt – oder ob ich mich angesteckt haben könnte. Aus Erfahrung weiß ich, dass bei Schnupfen die Verantwortung dafür absolut auf meiner Seite liegt. Doch selten fragen wir uns, weshalb bei zwei Menschen unter ganz ähnlichen Bedingungen und bei vergleichbarer Konstitution der eine krank wird und der andere nicht.

Bedenke ich jedoch, dass Geist in einem grundsätzlichen Verständnis die Basis allen Existierenden ist, dann kann man da schon ins Grübeln kommen. Ist es am Ende die eigene Einstellung, dass der eine eher krank wird als ein anderer? Und dem kann ich nachgehen, indem ich mich auf diesen Gedanken einlasse und untersuche, was ich so denke.

Oft sind wir ja schnell bereit, den Grund für persönliche Situationen in Dingen ‚zu sehen‘, auf die wir selbst keinen Einfluß haben. ‚Es sind die Gene’ ist solch eine Aussage, hinter die ich mittlerweile ein dickes Fragezeichen mache, seit ich mehr über die Bedeutung der Memetik und ihren Einfluss auf unser Leben weiß.

Fazit: Es gibt mehr schwer vorstellbare Dinge in der Welt, als ich bislang dachte. Und ich und vielleicht auch andere sind gut beraten, sich der Tatsache nicht zu verschließen, dass es noch jede Menge Dinge zu erkennen und dann zu erfahren gibt.