Trend oder Lebensart?

Nach der Operation einer Carotisstenose legte mir mein Hausarzt nahe, meine Lebensweise zu ändern. Ganz klar, mehr Gemüse, mehr Obst, weniger Fleisch, nicht so viel Fett und keine Kalorienbomben. Aber hat er das auch so gemeint?

Ich bin da sehr ins Zweifeln gekommen. Er meinte sicher meine Ernährung, doch ich denke, es geht weit darüber hinaus. Vielleicht sollte (oder muss?) ich meine Haltung den Dingen in der Welt gegenüber einmal grundsätzlich auf den Prüfstand stellen.

Das Erste, was mir spontan in den Sinn kommt, das ist, dass ich mir zu viele Gedanken über die Fragen in meinem Leben mache. Wie sagt doch Huang-po in „Der Geist des Ch’an“?

Alle Methoden lassen sich nicht vergleichen mit dem plötzlichen Ausmerzen aller begrifflichen Gedanken, im sicheren Wissen, dass es überhaupt nichts gibt, was absolute Existenz besitzt, nichts, an das man sich klammern kann, nichts, dem man vertrauen kann, nichts, in dem man verweilen kann, nichts, was Subjekt oder Objekt ist.

Nur indem ihr verhindert, das begriffliches Denken entsteht, werdet ihr Bodhi erfahren, werdet ihr Buddha erfahren, der immer in eurem eigenen Geist existierte.“

Das ist ganz schön harter Tobak, begriffliches Denken den Garaus zu machen, vor allem wenn man sein bisheriges Leben immer gedacht hat, dass es gerade darauf ankäme. Doch genau genommen brauche ich gar nicht neu denken zu lernen, ich brauche mich nur daran zu erinnern, wie ich viele Dinge mache. Etwa zu laufen oder mir etwas zu merken. Oder Motorrad zu fahren.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass ich viele Vorgänge in meinem Leben nicht so selbstverständlich angehe wie ich laufen oder denke, sondern sie in gedankliche Methoden und Konzepte packe, damit sie – vermeintlich – besser zu kommunizieren und zu erklären sind. Doch weit gefehlt. Das Gegenteil ist der Fall.

Das macht das Leben so kompliziert – und völlig unnötig, sinnlos und ineffektiv. Und weil das die meisten tun, leben wir alle brav in der Konvention und halten uns an ihre Regeln. Die Kommunikation in dieser Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.

Diese vermeintlich „normale“ Lebensart ist aber nicht mehr meine. Daher: kein begriffliches Denken mehr.

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