Unvollständigkeit

Unvollständigkeit – ein vieles beherrschendes Thema. Eigentlich alles. Nicht nur das Wesen der Logik ist dergestalt, dass sie nie vollständig sein kann. Auch meine Ethik ist das nicht, und erst recht nicht Moral, vor allem nicht „richtig“ und „falsch“.

Ich kann ja nie wirklich wissen, warum das, was ich denke, zutreffend ist. Immer wieder gebrauche ich dabei Argumente der Autoreferenzialität. Selbst wenn ich mich auf andere beziehe, beziehe ich mich letztlich doch nur auf mich selbst, denn ich halte ja ihre Argumentation für richtig; ich glaube ihnen also. Woher aber soll ich wissen, dass das auch wirklich stimmt?

Vieles, was ich bisher zu wissen dachte, habe ich aber nur geglaubt. Daher glaube ich nur noch dem Wissen, das den Nachweis seiner Wirksamkeit erbracht hat – oder das ich selbst verifizieren konnte. Mittlerweile hüte ich mich davor ständig zu sagen, dass ich etwas wüsste.

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto klarer wird mir der Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“; egal ob der nun von Cicero oder von Sokrates stammt. Er hat definitiv eine ziemliche Berechtigung. Selbst das, was mir vollkommen logisch erscheint, hat seine Grenzen.

Auch das Wesen der Logik ist unvollständig. Ich kann einfach nicht nachweisen, dass meine Logik widerspruchsfrei wäre. Dies ergibt sich ganz klar aus der Selbstbeziehung. Wie David Finkelstein sagt: „In einem formalen System kann man sich nicht vollständig erkennen“.

Will ich die objektive Welt validieren, muss ich ja auch meine Erkenntnismethode validieren. So bleibe ich etwa bei dem Doppelspaltversuch hängen. Ob ein Elektron als Welle oder als Teilchen erscheint, ist eine Folge der gestellten Frage. Das ist kein entweder oder, sondern etwas, das ich nicht benennen kann, nur empfinden.

Das „nur zu empfinden“ ist schwierig, denn da kommt mir schnell meine auf Ausschluss gedrillte Logik in die Quere. Entweder oder. Aber beides gleichermaßen, auch wenn sich das diametral entgegensteht? Schwer zu akzeptieren; doch genau so ist es, nicht nur bei dem Doppelspaltversuch.

Fazit: Die Welt ist nicht unvollständig, aber mein Verständnis von ihr ist es.