Verdrängung

Kann ich die ‚auflösen’, ohne sie zu kennen? Die Frage ist erst einmal, ob ich mir überhaupt bewusst bin, dass ich etwas verdränge. Denn das ist ja das Tückische daran, denn ich verdränge es ja gerade, damit ich mich nicht mehr daran erinnere. Aber deswegen ist es noch lange nicht weg, mein System tut nur so, als sei es weg. Es kompensiert es.

Wenn ich mir jedoch bewusst bin, dass ich etwas verdränge, dann hilft mir vielleicht dieser Satz von Erich Fromm: „Was wir aber am meisten verdrängen, das ist die Wahrheit, weil die für unsere ganze Lebensweise das Gefährlichste ist.

Der – für mich – logische Schluss aus Fromms Gedanken ist, dass ich die Verdrängung am einfachsten dadurch auflöse, indem ich anders lebe. Wie es etwa der Buddha tat, der Frau und Kind verließ, als er erkannte, dass sein bisheriges Leben am wirklichen Leben vorbeigeht. Obwohl, die beiden hätte er ja auch mitnehmen können, vielleicht wäre er so schneller auf den Gedanken des ‚Mittleren Pfades‘ gekommen.

Nach C.G. Jung kann als ‚Kompensation‘ jeglicher Prozess bezeichnet werden, der darauf zielt, psychische Ungleichgewichte und Einseitigkeiten auszugleichen. ‚Meine‘ Verdrängung zeigt sich, so meine Überlegung, in meiner Art zu leben. Also muss ich meine Lebensweise ändern, denn genau da steckt ja die Kompensation der Verdrängung drin.

Doch wie soll ich dann die ‚richtige‘ Lebensweise gestalten? Als Student habe ich zeitweise in einer Hütte im Wald gelebt, aber ich habe das urbane Leben nie wirklich verlassen. Das war vielleicht der Fehler, vielleicht wäre da schon das von mir Verdrängte aus seinem Versteck hervorgekrochen. Doch wenn man älter ist, so wie ich, dann glaubt man die Geschichte, die man selbst erfunden hat – und jetzt für sein Leben hält.

Diese ‚Geschichte‘ ist sicher nicht die ‚richtige‘ Lebensweise. Also suche ich erst einmal ‚meine‘ Lebensgeschichte zu erkennen.