Verhalten

Was lässt mich tun, was ich tue? Es geht dabei um meine Absichten, meinen Willen. Mein Wille ist vor allem durch Ursachen bedingt, die ihn mir selbst liegen, über die ich keine unmittelbare Kontrolle habe. Dazu müssten mir all diese Dinge präsent sein, was sie aber nicht sein können.

Es muss mir klar sein, dass es eben nicht so ist, dass mein Verhalten durch bestimmte und vor allem durch bewusste wie willentliche Absichten motiviert wäre. Das trifft nur für die Tätigkeiten zu, die ich noch nicht automatisiert habe, also wenn ich etwas noch nie gemacht habe beziehungsweise es erst noch lernen muss.

Vor allem in meinen Ansichten und Überzeugungen steckt dieser Automatismus drin. Wichtig ist zu erkennen, dass diese als implizites „Wissen“ in meinem neuronalen System gespeichert sind. Da sie implizit, also verinnerlicht sind, sind sie mir nur andeutungsweise bewusst.

Ich weiß zwar, dass ich den Herrn M. Von der Sparkasse nicht leiden kann, doch ich weiß deswegen noch lange nicht, was der wirkliche Grund dafür ist. Es ist ähnlich wie bei dem Hund, den wir einmal hatten. Er war zu jedem nett und freundlich. Nur Uniformen und bärtige Menschen konnte er einfach nicht ab. Er hat offensichtlich schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten Person auf jeden projiziert, der entsprechend aussah.

So wie ich spezifische Erfahrungen auch auf Herrn M. projiziert habe, weil er etwas Identisches an sich hatte – nur identisch wie wer? Das selbe Phänomen findet sich auch bei Menschen, die ich mag. Etwa Janis Joplin. Wie schrieb doch die Welt? Hemmungslos, intensiv, verletzlich. Davon findet sich auch einiges in meiner Persönlichkeit wieder.

Fakt ist, Entscheidungen und Erlebnisse formen meine Persönlichkeit mehr als Gene und auch als Erziehung. Doch wie ich wirklich bin, meine wahren Bedürfnisse kennen nur die allerwenigsten. Die viel beschworene Authentizität ist tatsächlich nichts anderes als ein Konstrukt. Um authentisch zu wirken, habe ich mich lange angepasst, vor allem im Beruf. Und mich selbst verleugnet.

Um also zu mir selbst (zurück-) finden zu können, muss ich erst einmal wissen, was mir so im Kopf herumgeht – und das dann reflektieren. Damit ich dabei auf keinen Mystizismus hereinfalle, orientiere ich mich in erster Linie an dem, was ich über Wirklichkeit ganz pragmatisch wissen kann. Also an Quantenphysik. Dann denke ich das philosophisch weiter. Aber erst dann!