Vertrauen

Was verstehe ich darunter? Und was ist Urvertrauen? Urvertrauen ist nichts anderes als ein psychologischer Begriff. Als Kind hatte ich davon keine Ahnung, sondern im empfand das Verhalten meiner Eltern mir gegenüber, wie es eben war.

Wichtig war für mich zu erkennen, dass aus diesen frühen Erfahrungen und dem, was ich dabei empfand, letztlich mein Weltbild wurde. Und mein Weltbild ist die Grundlage meines Selbstbildes; beide sind ohne Unterschied, nur eine andere Perspektive. Das Thema ‚Urvertrauen’ kam erst viel später dazu, wesentlich später.

Im Grunde war es eine rein intellektuelle Annahme, dass es das gibt. Das Dumme ist nur, dass innerhalb der Struktur des Denkens kein Vertrauen existiert. Sobald ich über mich und die Welt nachzudenken beginne, beginne ich alles zu taxieren und zu bewerten, trenne die Welt in Subjekt und Objekt und überlege mir Modelle, wie es sein müsste.

Wenn ich mich auf dem Motorrad frage, ob ich mir vertraue durch die Kurve zu kommen, habe ich sofort Schwierigkeiten damit. Denke ich nicht darüber nach, komme ich am besten durch die Kurve. Das habe ich auf dem Motorrad wirklich begriffen: Denken ist zur Untersuchung von etwas gut, etwa wie der Kammsche Kreis funktioniert. Doch anwenden kann ich das Wissen nur, wenn ich nicht mehr darüber nachdenke.

Was also ist mit Vertrauen? Dazu ein Beispiel: Wir hatten einen Hund aus dem Tierheim, der aus üblen Verhältnissen kam. Er war ängstlich und unsicher, als er zu uns kam. Es dauerte aber nicht lange und er hatte eine neue Erfahrung gemacht, nämlich dass er sich auf uns verlassen konnte. Und das tat er dann auch. Nur Uniformen, Bärte konnte er nicht ab und auch nicht, wenn ich meinen Pulli irgendwohin warf.

Das konnte ich ihm nicht erklären, er sprach leider meine Sprache nicht. Letztendlich war es ein ganz Lieber. Er hing einfach nicht an seiner Vergangenheit, sondern lebte im Hier und Jetzt. Und das versuche ich auch hinzubekommen. Nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern im Hier und Jetzt.

Vertrauen ist ja eine komische Sache, denn wem soll ich eigentlich vertrauen? Wenn ich jemand vertraut habe und reingelegt wurde, dann bedeutet das doch nur, dass ich nicht achtsam genug war und mich nicht auf meinen Spürsinn anderen gegenüber verlassen habe. Von einem anderen zu verlangen, dass man ihm vertrauen kann, das heißt nur zu erwarten, dass er meinen eigenen Vorstellungen gerecht werden soll!

Was ganz anderes, wenn ich jemanden etwas zutraue! Wirklich vertrauen kann ich nur dem Leben in mir selbst. So wie ein Hund und eine Katze. Die vertrauen mir auch nicht, die wissen einfach, dass ich ihnen nichts tue. Die schauen nämlich durch meine gesellschaftliche Maske hindurch und sehen den Kerl dahinter. Die brauchen nicht zu vertrauen, die vertrauen nur sich selber, ihrem eigenen Gespür.

Nicht zu vertrauen bedeutet sicher nicht, misstrauisch zu sein, sondern offen und ehrlich. Seit ich kein Hehl mehr aus meinen Gefühlen mache, klärt sich vieles um mich herum. Verbirgt man sich nicht, sieht man komischerweise auch den anderen viel klarer. Was ich bei mir ausblende, blende ich wohl auch bei dem anderen aus. In dem Zusammenhang kam mir ein Gedanke von Josef M. Gassner in den Sinn, einem Quantenphysiker.

Die sagen ja, dass die Welt tatsächlich ganz anders ist, als wir sie üblicherweise wahrnehmen. Wir sollten also unsere Überzeugungen einmal sehr genau auf ihre Belastbarkeit hin untersuchen. Was ist wirklich und was ist ‚nur’ eine intellektuelle Annahme? Und sie kamen zu der Erkenntnis, dass ‚die Natur die Karten erst dann auf den Tisch legen wird, wenn sie keine andere Wahl mehr hat.‘ Vielleicht ist das ja auch bei Lebewesen so. Wir legen erst dann die Karten auf den Tisch, wenn wir keine Wahl mehr haben.

Solange wir Masken aufhaben, solange decken wir unsere Karten nicht auf. Wenn wir aber vollkommen offen und ehrlich sind, auch mit uns selbst, vielleicht legen wir dann die Karten auf den Tisch? Nicht überlegt, sondern instinktiv? Es ist dabei nicht der andere, dem ich keine Wahl mehr lasse, sondern mir selbst!