Verzicht

Weshalb ich in meinen Texten auf Bilder verzichte. Das ist schnell und leicht erklärt.

Bilder sind, wie Marshall McLuhan es nannte, ein „heißes Medium“, im Unterschied zu „kalten Medien“. Heiße Medien erweitern nur einen und nicht mehrere Sinne des Menschen. Sie sind detailreich und bieten eine Menge an Informationen. Das bedeutet, die benötigte Aufmerksamkeitsspanne ist dementsprechend gering. Zu den Heißen Medien zählt McLuhan die Fotografie, Kinofilme und den Hörfunk.

Kalte Medien dagegen sind detailarm und benötigen daher eine hohe (!) Aufmerksamkeit. Ihr Inhalt muss vom Rezipienten im Geiste ergänzt werden, um sie verstehen zu können. Die Karikatur ist beispielsweise ein kaltes Medium. Der Rezipient muss ein gewisses Hintergrundwissen haben, das auf die Karikatur abzielt, um sie verstehen zu können.

Will ich meine Leser also möglichst vom eigenständigen Denken abhalten,  dann verwende ich stets ansprechende und emotionale Bilder und eingängige wie möglichst plakative Zitate. So erreiche ich eine geringe Aufmerksamkeit und kann meine Absichten wunderbar verpacken.

Dabei hat das „Verzichten“ noch eine ganz andere Bedeutung. Je minimalistischer ich werde, desto „kälter“ werden die emotionalen Bilder meiner Umgebung, die mich erreichen. Ich habe gerade meinen Werkzeugkasten aufgeräumt. Also ich ihn aufmachte und mich seine „Ordnung“, also diese Unordnung regelrecht ansprang, fühlte ich mich schlicht unangenehm.

Wahrscheinlich, weil ich eben nicht – wie sonst – dieses Gefühl einfach nicht wahrnahm, sondern es zuließ, wohl weil ich mich ja schon entschlossen hatte, ihn aufzuräumen. Als er dann ordentlich war und der überflüssige Kram, alle alten Lappen und unzählige Schräubchen bis hin zu einer verrosteten und daher sehr nützlichen Ventilspiellehre fühlte ich mich regelrecht erleichtert.

Das hat mir wieder einmal gezeigt, wie unnötige und schludrige Sachen einem regelrecht auf der Seele liegen können. Also mir.