Vorstellung

Wir bewegen uns gedanklich zwischen Aphantasie und Hyperphantasie. Die „normale“ Phantasie wird üblicherweise Vorstellungskraft genannt, die wir auch brauchen, um uns gut erinnern zu können. Sogar um uns leicht zu bewegen brauchen wir Erinnerung, also Phantasie.

Ist es tatsächlich so, dass die Schiffe von Columbus von den Eingeborenen nicht gesehen werden konnten, weil sie eben noch nie ein Schiff erlebt hatten, sondern nur die Wellen wahrnahmen? Oder dass sich Bären nach ihrer Freilassung auch weiterhin nur innerhalb der Grenzen ihres bisherigen, jetzt aber nur gedachten Gefängnisses bewegen?

Nach Niels Bohr ist es das große Verhängnis der Quantenmechanik, dass sich ihr Wirkungsbereich unserem direkten Erfahrungsbereich und unserer menschlichen Vorstellungskraft entzieht.

Nicht anders geht es mir selbst, wenn ich mich frage, was mich „innerlich bewegt“. Das ist so, weil ich mich lange Zeit darin geschult habe, die Dinge „methodisch“ zu betrachten. So wie es sich eben für einen Juristen gehört.

Wenn mir ein Kunde erzählte, was sein Problem wäre und – zack – schon hatte ich die Lösung im Kopf. Doch leider funktionieren solche Lösungen nur oberflächlich. Seit ich weiß, wie ich mein eigenes Bild von der Welt durch meine Gedanken und Reaktionen auf das, was ist, gestalte, seither gelingt mir vieles besser.

Ich habe einfach begriffen, dass ich mir erst vorstellen muss, was letztlich Realität wird – und nicht nur was Realität werden soll. Das ist immer so. Ich konstruiere die Realität immer, ob mir das jetzt bewusst ist oder nicht.