Wahrnehmung

Betrachte ich eine Bierdose mit einem Auge, also zweidimensional, und nur von oben, dann sehe ich etwas Rundes. Betrachte ich sie von der Seite, dann sehe ich etwas Rechteckiges. Aber nicht so, wie sie tatsächlich ist.

Mein Wahrnehmung der Bierdose hängt davon ab, wieviele Dimensionen ich wahrzunehmen in der Lage bin. Wahrnehmung ist jedoch nur vordergründig ein biologisches Phänomen, es ist vor allem ein geistiges.

Was ich gesehen habe wird erst dann zu einem konkreten Erlebnis, wenn ich es auch denken kann. Es kommt dann noch eine weitere, rein geistige Emotion hinzu: Meine Emotionen.

Ich „sehe“ beispielsweise ein Auto aufgrund a) meines Verständnisses von Autos und b) durch den Filter meiner emotionalen Haltung dazu. Verständnis und Filter sind die Dimensionen, mit denen ich meine Wahrnehmung konfiguriere. Nicht nur bei Autos, sondern überhaupt.

Körperliche wie gedankliche Propriozeption sind Dimensionen der Selbstwahrnehmung, genauso wie mich die Bewusstheit für die Dimension „Zeit“ Dinge nicht mehr statisch, sondern fließend und damit phänomenologisch wahrnehmen lässt.

Was ich wahrnehme ist letztlich eine Frage der Perspektiven, über die ich verfüge. Das veranschaulicht sehr gut eine sogenannte Kippfigur: Sie ist ein Scherz von philosophischer Tiefe.

Eines ist das Ding, das man betrachtet, die Zeichnung oder das Gemälde. Ein anderes ist das, was man sieht: eine Ente oder einen Hut, einen Männerkopf oder nackte Frauenleiber, eine Treppe, die aufwärts oder abwärts zu führen scheint, je nachdem, wie man guckt. Wahrnehmung, so lässt sich aus dieser Erfahrung lernen, setzt Wissen voraus:

Man sieht nur, was man kennt oder wiedererkennt.