Was ist wirklich?

Sehe ich die Wirklichkeit oder ‚nur’ die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit? Das ist die entscheidende Frage. Es geht darum zu erkennen, dass die Gesellschaft gedanklich eine geordnete Welt erschaffen hat, um eine „kollektive Übereinstimmung“ und ein reibungsloses Zusammenleben zu sichern.

In diesem Modell wird alles nach Bedeutung und Sinn geordnet, um so den Eindruck von Dauer und Berechenbarkeit und Planbarkeit zu vermitteln. Eine perfekte Beschreibung ist der Text von Nikolaus Gerdes ‚Der Sturz aus der normalen Wirklichkeit und die Suche nach Sinn‘:

Es gibt eine Wirklichkeit außerhalb der „normalen Wirklichkeit“

Alles, was wir üblicherweise als selbstverständlich hinnehmen und auch als objektive Wirklichkeit der Welt annehmen, ist eine von anderen, aber auch von uns selbst gedanklich erschaffene Wirklichkeit. Das geht soweit, dass wir sogar das von anderen erzeugte Bild unserer eigenen Person als Wirklichkeit akzeptieren, da der Prozess der „Menschwerdung“ immer in Wechselwirkung mit der Umwelt und der Gesellschaft stattfindet.

Zu Beginn ist jeder Mensch ein unbeschriebenes Blatt, ein leeres Gefäß, das dann von anderen wie von uns selbst beschriftet und beschrieben oder gefüllt wird. Die Gesellschaft prägt uns scheinbar durch Konditionierungen und die „Installation“ von Glaubenssätzen, um der „normalen, bestehenden Wirklichkeit“ eine Berechtigung für das kollektive Handeln und ihre Existenz zu verleihen. Tatsächlich prägen wir uns selbst, indem wir uns an die Gesellschaft anzupassen suchen, um dazu zu gehören.

Um nach einem Sturz aus dieser „normalen Wirklichkeit“ nicht sofort wieder in selbige integriert zu werden, müssen vorhandene Konditionierungen und Glaubenssätze abgelegt werden. Auch die Kommunikation mit anderen, aber vor allem der eigene, innere Dialog muss unter einer neuen Sichtweise betrachtet werden, da diese Muster an die „normale Wirklichkeit“ gebunden sind. Hier bedarf es einer Veränderung.

Keine Fassaden und keine Masken

Nur wer erkennt und annimmt, dass sein Leben ein von anderen Menschen vorgegebenes Bild seines Selbst ist und aufhört zu planen oder gar Einzuüben, sondern einfach geschehen lässt was geschieht, bereit ist die Kontrolle abzugeben, kann das „kosmische Bewusstsein“ erlangen. Man hört auf zu Fragen nach dem Sinn oder was man von etwas hat. Man erkennt, dass alles eins ist und überlegt was man zu diesem großen Ganzen geben und beitragen kann.