Wirklichkeit

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Kann ich überhaupt sicher sein, die Wirklichkeit zu erkennen, in der ich lebe? Oder nehme ich nur die Oberfläche war, aber nicht, was diese Oberfläche gestaltet? Gerade habe ich das GEO-Heft ‚Was ist wirklich bekommen. Darin wird dargestellt, wie die Quantenforschung unser Weltbild infrage stellt. Also auch meines. Oder Ihres. Darüber könnte man einmal reden. Oder müsste man es auch?

In dem Satz, dass die Quantenforschung unser Weltbild infrage stellt, ist kein Konjunktiv. Mit anderen Worten, wer sich nicht für das Weltbild der Quantenforschung interessiert und deren Erkenntnisse nicht in seine eigenen Weltsicht integriert, der kann nicht davon ausgehen, dass sein Weltbild mit Sicherheit überhaupt stimmig ist. Im Gegenteil, er muss eher von dem Gegenteil ausgehen; denn er sollte davon ausgehen, dass sein Weltbild mit hoher Wahrscheinlichkeit eben nicht stimmig ist.

Er mag es zwar für korrekt halten, doch das muss es nicht sein. Darin liegt die große Gefahr, denn was wir glauben, stellen die Allerwenigsten in Frage. Und damit sind Tür und Tor für Fehlinterpretationen geöffnet. Und zwar sperrangelweit.

Der Stuhl auf dem ich sitze wird weiterhin da sein, auch wenn ich mir einmal einen Kaffee hole. Und wenn ich früh aufwache, stehen alle Bücher wie am Vortag im Bücherregal. Alles scheint wie immer zu sein. Und ich kann erklären, wie man mit dem Motorrad am besten um eine Kurve fährt oder wie man einen Ikea-Schrank zusammenbauen kann.

Doch ist das selbstverständlich so? Denn alles Existierende besteht aus einer irrwitzigen Menge von Elementarteilchen und Kernbausteinen. Und in dieser Welt herrschen ganz andere Regeln als in der ‚Welt der Dinge‘. Wie also kann es sein, dass der stabile Tisch, auf dem meine Kaffeetasse steht, aus lauter instabilen, sich ständig verändernden und permanent in Bewegung befindlichen Teilchen besteht?

Ich ‚weiß’ zwar, dass der Tisch, auf dem meine Sachen sicher stehen, ‚eigentlich‘ aus hauptsächlich nichts besteht, jedenfalls aus nichts Gegenständlichem, doch die Frage bleibt, ob ich mir dessen überhaupt bewusst bin! Sehe ich nämlich den Tisch als etwas Gegebenes an, dann laufe ich Gefahr, alle Dinge so zu sehen. Bin ich mir bewusst, dass nicht die Jahreszeiten den Rhythmus der Natur vorgeben, sondern offensichtlich etwas anderes, etwas viel Komplexeres?

Das ist die Kernbotschaft der Quantenphysik: Die Dinge der Welt bestehen letztlich nicht aus Atomen, sondern die Atome entstehen aus etwas, was man als ‚Geist’ umschrieben kann. Da gibt es kein Subjekt und kein Objekt. Was Schrödinger den Satz sagen ließ, dass ein rein verstandesmäßiges Weltbild ganz ohne Mystik ein Unding ist.

Die Dinge, die ich so real und wirklich wahrnehme, sind also, wie Schrödinger an anderer Stelle sagte, nur Schein, sie besteht in Wirklichkeit gar nicht? Das bedeutet ja, dass auch ich selbst in Wirklichkeit gar nicht ‚so’ existiere, wie ich mich selbst wahrnehme, sondern ganz anders, vollkommen andere Ursachen habe, nämlich Geistige. Das bedeutet, ich bin letztlich das, was ich denke, wovon ich überzeugt bin und so weiter. Aber nicht nur das, ich handle auch so, was wiederum bedeutet, dass ich meine Wirklichkeit selbst kreiere!

Ich kann viele Bücher zu Rate ziehen, in denen steht, was ich gegen meinen Bluthochdruck machen kann oder was seine organischen Hintergründe sein können, doch letztlich ist er nichts anderes als (m)ein geistiges Phänomen. Eben meine Wirklichkeit. Und es ist ‚meine‘, weil ‚ich’ sie erlebe. Ganz real.

Doch das ich etwas für real halte, darf mich nicht davon ablenken, dass es ein geistiges Phänomen ist, das nur in der Wahrnehmung real zu sein scheint.

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