Wissen

Was ist für uns Menschen notwendig, zu wissen? Meines Erachtens nach gibt es verschiedene Arten des Wissens. Da ist einmal das ‚Wissen‘, das Tiere haben. Also alles, was sie brauchen, um zu leben. Das brauchen wir auch.

Das reicht vom notwendigen Wissen der Nahrungsaufnahme bis zu dem Wissen über die notwendige Gesellschaftsform, um sich gegen andere Arten behaupten zu können. Diese Wissensarten könnte man mit meinem Wissen über einen PC vergleichen. Den Text, den ich da gerade bearbeite, kann ich lesen und fortsetzen. Vielleicht später auch verschicken oder in einen Blog stellen.

Doch was in den Tiefen meines PCs passiert, das weiß ich nur sehr, sehr bedingt. Eigentlich gar nichts, nur ein bisschen Theorie, ohne jegliche Erfahrung darüber. Geht etwas kaputt, muss ich einen Fachmann zu Rate ziehen.

So ist es bei sehr vielen Dingen. Nur weil ich sie benutzen kann bedeutet das nicht, dass ich auch wüsste, wie sie genau funktionieren. Nur ist das nicht nur mit Dingen so, mit mir selbst ist es auch genau so. Ich kann schon lange laufen, aber was da genau in mir passiert, konnte ich überhaupt nicht sagen.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich selbst organisiere. Mittlerweile weiß ich ein bisschen mehr; aber nur sehr, sehr oberflächlich. Vor allem habe ich keine Ahnung was in mir passieren muss, damit ich die Entscheidung treffe, die mich laufen lassen.

Wenn ich jedoch beispielsweise immer wieder Migräne habe, dann hilft es zwar erst einmal, eine Schmerzpille einzuwerfen, nur löst das das Problem nicht. Dazu müsste ich wissen, was die Migräne auslöst. Oder Heuschnupfen. Oder Allergien. Die Liste ist lang.

Will ich solche Problem ernsthaft lösen, muss ich mehr über meine interne Organisation wissen. Da genügt es nicht mehr – um bei Dem Beispiel des PC zu bleiben – gebannt auf den Bildschirm zu schauen. Da muss ich dann ans Eingemachte.

Unsere Lebensgestaltung ist weit über das ehemals Natürliche hinausgewachsen. Und das ist die Folge mancher meiner Erkrankungen, denn ich habe mich nicht gut genug an meine Lebenssituation angepasst. Oder ich tue ganz einfach Dinge, die ich nicht tun sollte.

Wir haben als Menschheit, wenn man so will, den Deckel der Büchse der Pandora aufgemacht und mehr als nur einen Blick hineingeworfen. Nur lässt sich der Deckel nicht mehr so einfach schließen. Genau genommen überhaupt nicht. Damit müssen wir lernen zu leben.

Wenn ich den Rechner, um darauf zurückzukommen, den ich vor 40 Jahren mein eigen nannte mit meinem heute vergleiche, dann besteht da ein gewaltiger Unterschied. Ich kann nichts mehr selbst machen. Doch sollte ich wenigstens wissen, wie er funktioniert, um nicht ungewollt Probleme zu verursachen.

Das ist aber nicht nur bei dem PC so, sondern überhaupt. Es betrifft meine eigene Gesundheit (wie gehe ich mit den täglichen Anforderungen um?) wie mein Kaufverhalten (entspricht es meinem tatsächlichen Bedarf?) und meine Beziehungen (wie gestalte ich meine Beziehungen?).

Um all das beantworten zu können, muss ich aber wissen, dass nichts voneinander isoliert betrachtet werden darf, sondern ein Komplexes Gefüge ist. Also muss ich Komplexität ‚denken‘ lernen.

Ging ich (wie wahrscheinlich viele) bisher davon aus, dass Dinge von einander getrennt existieren, dann finde ich nie eine Lösung. Kann ich nicht, denn dazu fehlt mir erst einmal das entsprechende Wissen. Nur dann, wenn ich sie als ein in sich differenziertes Eines erkenne und auch anerkenne, kann ich Lösungen finden. Die Voraussetzung ist ganz einfach anders denken zu können.

Genau das muss ich lernen zu verstehen.