Wo anfangen?

Wovon viele Philosophen schon immer ausgingen, hat sich jetzt wissenschaftlich bestätigt. Üblicherweise sehen wir die Wirklichkeit – und damit unsere eigene Realität – nicht korrekt. Wir verwechseln eine soziale gedankliche Konstruktion mit der tatsächlichen Wirklichkeit. Also ist es definitiv an der Zeit zu sehen, wie es wirklich ist.

Das scheint unsere Welt auf den Kopf zu stellen. Doch das ist kein Problem; denn lassen wir uns darauf ein, gewinnen wir mehr Stabilität. Denn nichts ändert sich wirklich, nur meine Art, wie ich über die Dinge denke und wie ich sie interpretiere.

Den Unterschied macht die gedankliche Organisation, nicht das verwendete „Material“. Das ist absolut identisch. Und exakt so ist es mit allem. Die Substanz ist überall die gleiche. Es ist allein meine Fähigkeit zu organisieren, die entweder etwas Simples oder aber etwas Komplexes entstehen lässt.

Habe ich jedoch den Frame „die Welt ist determiniert“ aktiviert, wird das mit der Komplexität nicht klappen. Unmöglich, denn dieser Frame lässt das dann einfach nicht zu. Habe ich den Frame mit dem „naturalistischen Fehlschluss“ aktiviert, kann das auch nichts werden, denn das würde bedeuten, dass ich aus dem, was ist, schließen könnte, was sein sollte oder müsste. Ein Irrtum. Funktioniert einfach nicht.

Eigenschaften wie „gut“ lassen sich eben nicht als eine bestimmte deskriptive, natürliche oder metaphysische Eigenschaft oder Relation definieren. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Herleitung eines „Rechts des Stärkeren“ aus der Beobachtung, dass in der Natur der Stärkere überlebe (in der Überzeugung, dass dieses Natürliche gut sei). Ein Fehlschluss, dem noch immer sehr viele getreulich folgen. Oder nehmen Sie den Gedanken „Von der freiwilligen Knechtschaft“, wie ihn Étienne de LaBoétie formuliert hat.

Viele Menschen folgen diesem Gedanken, doch ohne dass sie sich dessen bewusst wären, einfach, weil sie mit diesem Frame ihr Denken organisieren. Und wer stellt schon sein eigenes Denken in Frage? Ich stelle nicht mein Denken an sich in Frage, aber mein Weltbild, der Ursprung meiner Frames, das schon.

Ist man sich bewusst, dass man denkt, wie man eben denkt, nur eine Frage der verwendeten Frames ist, dann ist es relativ einfach und braucht nur ein wenig Beharrlichkeit, einen anderen Frame zu nutzen. Wenn Ihnen also jemand sagt, Sie sollten anderes denken, dann heißt das nur, dass der andere der Ansicht ist, dass Sie die für ihn falschen Frames verwenden. Und das kann man ja sehr leicht überprüfen, ob die eigenen Frames tatsächlich kompatibel mit der Wirklichkeit sind – wenn man den Frame erkennt.

Was natürlich voraussetzt, dass man sich mit der Frage auseinandersetzt, jedenfalls so gut man es kann, was denn Wirklichkeit überhaupt ist.