Ziele

Wie kann ich meine Ziele erreichen? Ganz einfach, indem ich sie nicht zu erreichen suche. Heute habe ich dieses kurze Gedicht von Ikkyû Sôjun aus ‚Gedichte von der Verrückten Wolke‘ gelesen, das mich recht nachdenklich gemacht hat:

Diese Heuchler haben Stöcke, Schreie
und andere Kniffe eingesetzt.
Ikkyû erreicht Hohes wie Niedriges,
ganz wie die Sonnenstrahlen.

Eine Sonne hat keine Absicht, sie strahlt einfach, und doch hat sie einen Sinn. Ich spreche von Sinn und nicht von Nutzen, denn ohne Sonne gäbe es das Leben auf der Erde nicht, gäbe es dieses faszinierende Mysterium nicht. Ob sich die Sonne ihres Sinns auch bewusst ist, das weiß ich nicht.

Doch warum sollte sie sich dessen nicht bewusst sein? Natürlich nicht in dem üblichen Verständnis von ‚bewusst‘. Ich denke schon, dass es da einen Sinn gibt, nur dass ich den nicht benennen könnte. Deswegen wird das Leben auch von vielen als Mysterium angesehen.

Wenn wir etwas sehr, sehr gut machen wollen, etwa richtig gut Trompete spielen, dann lernen wir einerseits die Technik der Trompete und andererseits lernen wir sie auch entsprechend zu spielen, wir üben also. Doch bei diesem ‚Üben‘ mache ich ja nichts bewusst, sondern ich lerne ‚es’ mehr und mehr gerade nicht bewusst zu machen.

Das ist bei mentalen Dingen nicht anders. Will ich lernen, anders zu denken, etwa weil ich erkannt habe, dass mein Denken von falschen Annahmen ausgeht, dann brauche ich zum einen das entsprechende Wissen und zum anderen muss ich es üben, also praktizieren, eben anwenden. Wichtig ist zu sehen, dass es nicht darum geht, Neues zu lernen, sondern Unrichtiges wieder loszuwerden. Irgendwann habe ich es dann hoffentlich intus.

Doch wenn ich diesen Schritt zu implizitem Wissen nicht gemacht habe, es also nicht ‚automatisch‘ anwenden kann, dann wird es eben nichts, dann tue ich nur so, als könnte ich es. Was einem leider bei anderen wesentlich leichter und schneller auffällt als bei einem selbst. Also bei mir ist das so.

Ich muss also so sein, wie ich sein will, jedoch ohne dabei etwas sein oder darstellen zu wollen. Ich definiere sozusagen mein Ziel, doch sobald ich mich ans Werk mache, hat mich das Ziel nicht mehr zu interessieren, ich muss es lassen können. Das ‚funktioniert‘, wenn ich allein die Form definiere, aber nicht die Inhalte. Solange ich etwas darzustellen suche, kann ich nicht sein. Das kann sehr subtil sein. Und so lange ich nicht sein kann, bewege ich nichts.

Erst dann, wenn ich mir selbst ein Licht geworden bin, kann ich auch anderen ein Licht sein, jedoch nur, wenn ich nicht bewerte oder urteile und keine Absicht damit verbinde.