Was ansteht

Seit über 100 Jahren wissen wir, dass wir die Wirklichkeit – und damit unsere eigene Realität – nicht korrekt gesehen haben. Also ist es definitiv an der Zeit zu sehen, wie es tatsächlich ist.

Dass ich anders bin als meine Frau und auch anders als der Baum in unserem Garten hat nichts damit zu tun, dass ich etwas ganz anderes wäre, sondern es ist alleine eine Frage der Organisation, wie ich also Materie organisiere. Das machen meine Frau wie ich und auch der Baum, nur eben auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

Meine Enkel bauen aus Legosteinen die verschiedensten Dinge. Doch den Unterschied macht die Organisation, nicht das verwendete Material. Das ist absolut identisch. Und exakt so ist es auch in der Welt. Die Substanz ist überall die gleiche. Es ist allein meine Fähigkeit zu organisieren, die entweder etwas Simples oder aber etwas Komplexes entstehen lässt.

Doch habe ich den Frame „die Welt ist determiniert“ aktiviert, wird das mit der Komplexität nicht klappen. Unmöglich, denn dieser Frame lässt das dann einfach nicht zu. Habe ich den Frame mit dem „naturalistischen Fehlschluss“ aktiviert, kann das auch nichts werden, denn das würde bedeuten, dass ich aus dem, was ist, schließen könnte, was sein sollte oder müsste. Ein Irrtum. Funktioniert einfach nicht.

Eigenschaften wie „gut“ lassen sich eben nicht als eine bestimmte deskriptive, natürliche oder metaphysische Eigenschaft oder Relation definieren. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Herleitung eines „Rechts des Stärkeren“ aus der Beobachtung, dass in der Natur der Stärkere überlebe (in der Überzeugung, dass dieses Natürliche gut sei). Ein Fehlschluss, dem noch immer sehr viele getreulich folgen. Oder nehmen Sie den Gedanken „Von der freiwilligen Knechtschaft“, wie ihn Étienne de LaBoétie formuliert hat.

Viele Menschen folgen diesem Gedanken, doch ohne dass sie sich dessen bewusst wären, einfach, weil sie mit diesem Frame ihr Denken organisieren. Und wer stellt schon sein eigenes Denken in Frage? Ich stelle nicht mein Denken an sich in Frage, aber mein Weltbild, der Ursprung meiner Frames, das schon.

Ist man sich bewusst, dass man denkt, wie man denkt, nur eine Frage der verwendeten Frames ist, dann ist es relativ einfach und braucht nur ein wenig Beharrlichkeit, einen anderen Frame zu nutzen. Wenn Ihnen also jemand sagt, Sie sollten anderes denken, dann heißt das nur, dass der andere der Ansicht ist, dass Sie die für ihn falschen Frames verwenden. Und das kann man ja sehr leicht überprüfen, ob die eigenen Frames tatsächlich kompatibel mit der Wirklichkeit sind – wenn man den Frame erkennt.

Was natürlich voraussetzt, dass man sich mit der Frage auseinandersetzt, jedenfalls so gut man es kann, was denn Wirklichkeit überhaupt ist.